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Südamerika-Grenze von Uruguay nach Argentinien

Walter Blattmann
vor 13 Minuten
17 Min. Lesezeit

Von Frey Bentos gibt es eine Brücke über den Rio Uruguay nach Gualeguaychu. Das ist der Landweg zwischen Uruguay und Argentinien. Bei jedem Grenzübertritt läuft es gleich ab: Migration, Zoll, Auto einführen, Auto ausführen. Was sich unterscheidet sind die Anzahl der Schalter und ihre Orte. Mal schauen, wie unser erster Grenzübertritt in Südamerika funktioniert...

Richtung Puente Internacional fahren wir an Frey Bentos vorbei. Bei den ersten Barrieren fahren wir einfach durch, weil sie offen sind. Nach dem Schild Transito Turistico sehen wir die Zollabfertigung mit der Überschrift "Bienvenidos a Argentina".

Es hat um 10 Uhr am Freitag Morgen fast keine Autos. Darum fahren wir in die einzige Spur, welche geöffnet ist.



Der erste Schalter Nr.11 ist die Migration. Dort werden unsere Pässe aus Uruguay ausgecheckt und in Argentinien eingecheckt. Das funktioniert ohne Passstempel elektronisch. Wichtig ist der kleine quadratische weisse Zettel, den wir erhalten. Das ist, wie wir später herausfinden der wesentliche Laufzettel, dass alle Schalter korrekt besucht worden sind.


Beim Zoll Nr.15 will die Beamtin ins Auto und öffnet alle Schränke, um nach frischen Esswaren zu suchen. Sie findet natürlich nichts. Das haben wir alles gut verstaut ;-). Ich soll das Auto parken und zum Schalter Nr.1 kommen, um das neue Temporary Import Permission (TIP) zu erhalten. Dort gebe ich alle Unterlagen wie Pass und Fahrzeugausweis ab. Sie schickt mich zum Schalter Nr. 16 auf der uruguayischen Seite, um unser Fahrzeug offiziell abzumelden. Ich gebe meinen TIP Uruguay ab und er will auch noch den quadratischen Zettel sehen, den ich natürlich im Auto habe. Zurück über alle Fahrspuren zum Auto und wieder zurück. Jetzt muss er auch noch seine Vorgesetzte holen, weil etwas nicht stimmt. Sie winkt mit der Hand, ich unterscheibe und alle Zettel werden abgestempelt.



Wieder am Schalter 1 angekommen gebe ich die beiden abgestempelten Papiere ab und erhalte den neuen TIP-Argentinien. Auch der kleine quadratische Laufzettel wird abgestempelt.


Nun kommen wir an eine weitere Barriere. Der Beamte kontrolliert den kleinen quadratischen Zettel, ob alle Stempel drauf sind. Er schaut zufrieden drein und wünscht uns: buon viaje y disfruta. Nur Tamara versteht, was er gesagt hat. Die Barriere geht auf uns das ist mein Zeichen, dass ich losfahren darf. Vor der Brücke kommt jetzt noch das Kassenhäuschen, um die 1650 $UR und schon sind wir in Argentinien.


Die lokale Polizei kontrolliert alle Lastwagen nochmals separat. Das geht scheinbar länger, weil sehr viele am Warten sind. Jetzt geht es nach Gualeguaychu. Dort kaufen wir im Carrefour ein, gehen Bargeld holen bei der Western Union und kaufen eine SIM Karte bei Claro. In Argentinien ist es genau umgekehrt als in Uruguay. In Uruguay erhältst du Rabatt auf allen Produkten, die du mit Kreditkarte bezahlst. Hier in Argentinien erhältst du Rabatt, wenn du bar bezahlst. Darum überweisen wir auf unser Bankkonto bei der Western Union ein paar CHF und holen Argentinische Pesos ab.

Die Argentinier sind sehr freundlich und immer wieder entstehen spannende Gespräche. Ein älterer Mann erzählt, dass sein Vater nach dem zweiten Weltkrieg aus Deutschland gekommen sein und seine Mutter, eine Spanierien, geheiratet habe. Er heisse Ludwig, aber sein Vater hätte nie ein Wort deutsch gesprochen.


Aktuell herrscht in der Stadt Siesta und darum sind alle Läden geschlossen. Wir schlendern etwas herum und kaufen bei einem Chinesen spontan Weihnachtsdekoration, um unseren Camper in der Adventszeit etwas einzustimmen. Die alten Ford am Strassenrand sind hier voll in Betrieb und teilweise klettern Familien heraus mit 4 und mehr Kindern. Die Hunde sitzen hinten auf der Ladefläche und lassen ihre Ohren im Wind wehen.



Unser Navigationssystem führt uns zum Schlafplatz. Eine Strasse zu früh abgebogen und wir befinden uns in einer Strasse, in der du nicht abends unterwegs sein willst. Nur wenige Blocks weiter spielen Kinder auf der Wiese und Fischer sitzen geduldig am Flussufer und plaudern. In diesem Park sind schon einige einheimische Camper geparkt. Darum gesellen wir uns unter sie und schlafen dort.



Eigentlich sollte es einen Strand am Ufer haben. Dieser ist jedoch komplett vom Hochwasser bedeckt. El Nino fegt dieses Jahr als Supernino über Südamerika. Das bedeutet sehr viel Regen und auch Überschwemmungen und für unsere Reise etwas mehr Regentage als sonst, aber dafür mildere Temperaturen in Patagonien. Wir werden es sehen und haben für jedes Wetter die passenden Kleider dabei :-).



Fahrt nach Junin (18.10.2026)

Gestern Abend sollte ich wieder eine Tomatenbüchse ohne Schnellverschluss für das Abendessen öffnen. Bei letzten Mal war das mit meinem Sackmesser, ein eher abenteuerliches Unterfangen. Dieses Mal soll es einfacher gehen und auch sicher keine Verletzten geben. Darum schaue ich mir einen YouTube Film an. Es ist etwas peinlich, aber ein Deutscher hat mir in 3 Minuten erklärt, wie ich mit den Schweizer Taschenmesser eine Dose öffnen kann. :-)




Wir fahren durch ein Feuchtgebiet und darum sind immer wieder spektakuläre Brücken zu sehen. An jeder Autokreuzung und bei Tankstellen bieten Stände Essen und Trinken an.



In Junin begrüsst uns ein kleiner Kauz, der auf der Dusche am Strand sitz. Hier hat es viele und schöne Vögel, die jedoch nicht immer so lange warten, bis ich ein Foto gemacht habe.



In einem kleinen Laden kaufen wir Chips und einen Malbec, weil hier scheinbar die schönsten Sonnenuntergänge zu sehen sind. Es ist stark bewölkt, aber die Hoffnung stirbt ja nie oder zuletzt.



Am Morgen früh begrüsst mich ein Argentinier und fragt mich ob ich Italienisch spreche. In meinem fliessenden Italienisch erkläre ich ihm unsere Situation. Er erzählt stolz, dass sein Vater aus Italien hierher kam und ihm Italienisch beigebracht hat. Italiener sind die grösste Europäische Ausländergruppe in Argentinien gefolgt von den Spaniern. Der Ausländeranteil beträgt 5% von insgesamt 47 Mio Einwohnern. Das sind 17 Einwohner pro Quadratkilometer. In der Schweiz wohnen 13 Mal mehr Leute (220) pro Quadratkilometer.



Die «langweilige»  oder «kurzweilige» Pampa (18.10.26)

Die Pampa erstreckt sich von Uruguay bis nach San Jose in Argentinien. Pampa heisst baumlose Gegend mit viel Gras. Dieses Feuchtgebiet überrascht uns, weil wir keine Ahnung haten, was uns erwartet.



Zwischen jedem Kantonsübertritt gibt es eine Polizeikontrolle. Die meisten stehen nur dort und kontrollieren je nachdem. Aber zwischen San Luis und Mendoza gibt es eine Esswarenkontrolle. Es dürfen keine frischen Esswaren eingeführt werden. Wir fahren unvorbereitet an diesen Grenzposten. Beim Bezirksübertritt fragt uns der Grenzposten. «Habt ihr Früchte dabei?» Hinter dem Beifahrersitz hängt unser prall gefülltes Früchtenetz. Das Netz ist unüberseebar und wir ehrlich. Er scheint überrascht und es tut ihm fast Leid nicht angelogen worden zu sein. Alle Früchte wandern in die Tonne. Mangos, Kiwis, Äpfel, Mandarinen, Birnen. Nur die Zitronen dürfen wir behalten. Mendoza, als berühmte Weinregion, versucht mit dieser Massnahme die Früchtefliegen zu vermeiden.


Die Strassen hier sind sehr unterschiedlich. Auf einigen kannst du locker 100 km/h fahren auf anderen bist du mit 60 km/h noch zu schnell, um den tiefen Schlaglöchern auszuweichen. Auch der Schwerverkehr mit den Rindertransportern und Transporter mit Übergrössen sind hier keine Seltenheit. Die Strassen sind breit und nur ab und zu wird es etwas enger. Die Viehtransporter sind hier in der Pampa allgegenwärtig.


Unsere Augen können uns kaum sattsehen, beim Anblick der Tierwelt in dieser einmaligen Natur.


Was sehr gewöhnungsbedürftig ist, sind die Flamingos und die Kühe auf einem Foto 😊


Nach dieser langen Fahrt mit Hörbuchunterstützung sehnen wir uns nach einer Infrastruktur. Darum gehen wir auf einen Campingplatz. Der Camping Club Banco in General Alvear liegt in einem netten Ort. Auf der Suche nach dem richtigen Weg führt uns das Navi geradeaus. Dort hat es eine Abschrankung, aber auch einen Platz zum Durchfahren. Die Strasse ist unbefestigt und ein Bagger hupt uns zu, dass hier gebaut wird. Manchmal ist es in Südamerika nicht einfach zu unterscheiden, welche Strasse im Bau ist oder nicht und wo Einbahn ist, da die Einbahnstrassen oft sehr breit sind und ohne unser "Einbahnschild", nur ein Pfeil zeigt an, ob man in die Strasse reinfahren kann oder nicht... 😉

 

San Rafael (19.10.26)

San Rafael ist eine sehr grüne Stadt mit breiten Strassen. Hier ist es einfach mit den Rechtsvortritt, weil es überall Ampeln hat 😊Normalerweise kann ich mir die Strassen in Städten gut merken und habe die Orientierung, wo unser Auto steht. Hier parke ich es beim argentinischen Pferd, um sicher zu sein, dass wir es wieder finden. Hier sind alle Strassen schachbrettförmig angeordnet. Alles sieht ähnlich aus und meine Orientierung ist nach drei Abzweigungen vorbei.

San Rafael wurde 1805 als Festung gegen die Indianer vom Vizekönig Rafael de Sobremonte gegründet, dessen Namen der Ort von da an trug. Ab 1860 konsolidierte sich die Siedlung endgültig, als sich hier Kolonisten aus Italien und Frankreich ansiedelten, die in der Nachbarschaft Landwirtschaft betrieben.

Es ist erschreckend zu lesen, dass die Ausrottung dieses indigenen Stammes nicht so lange her ist. Während der sogenannten Wüstenkampagne, dem Vernichtungsfeldzug des Generals Julio Argentino Roca gegen die Indianer Ende der 1870er-Jahre, war San Rafael einer der Hauptmilitärstützpunkte gegen die Mapuches. 1903 wurde der Ort an das Eisenbahnnetz der Ferrocarril Gran Oeste Argentino angebunden, was das Bevölkerungswachstum deutlich ankurbelte. 1922 erhielt San Rafael die Stadtrechte. Die Erinnerung an die Eisenbahnlinie steht heute noch beim alten Bahnhof.

In einem netten Restaurant essen wir zu Mittag und mit vollem Magen geht unsere Reise weiter nach Süden. Nach San Rafael geht es auf der Ruta 173 durch den Canyon Atuel. Schon nach wenigen Kilometer zieht uns dieses Tal in den Bann. Verwunschene Waldstücke zwischen Flussmündungen. Schroffe Felsen, die uns zeigen, wie hoch der Fluss hier in der Saison sein kann. 

Der Regen hat die Strassen schon recht mitgenommen. Unseren Schlafplatz suchen wir in der Nähe der Zivilisation, weil ich am nächsten Tag ein Teams Meeting vereinbart habe und dringend auf WIFI angewiesen bin. Jetzt wäre Starlink eine Lösung, wenn es nicht bewölkt wäre ;-).


Canyon Atuel (20.10.26)

Der nächtliche Regen hat uns nicht weggeschwemmt. Das Wetter ist auch nicht so schlecht wie angesagt. Aktuell wissen wir nicht, ob die Ruta 173 offen ist, um den Atuel Canon zu passieren. Um 10 Uhr habe ich noch ein Meeting per Teams und darum suche ich nach Internet, wir fahren darum etwas zurück. Im Hotel Nina wollen wir einen Kaffee trinken und das WIFI benutzen. «Nein, sie können hier keinen Kaffee trinken. Diese Woche ist ein Klassenlager.» «Darf ich mich an den Kamin setzen und das WIFI nutzen?» «Selbstverständlich gerne». So unkomplizierte Menschen mit einem pragmatischen Sinn für Lösungen treffen wir auf unserer Reise gerne.

Nach dem Meeting hat der Regen aufgehört und wir starten einen Versuch durch den Canyon. Auf halbem Weg ist eine Abschrankung, welche aber nur die Hälfte der Strasse versperrt. Die andere Hälfte der Strasse ist passierbar und lädt uns zum Durchfahren ein. Die Strassen sind schlammig und teilweise glatt wie Schmierseife. Nachdem unser Heck bei einer Steigung nach links ausbricht, schalte ich das Differenzial und den Vierradbetrieb ein. Sicherheit first! Nun stehen wir stabil auf der Strasse und merken die Rutschpartie jeweils beim Aussteigen für ein tolles Foto.

Am Aussichtpunkt beim Stausee angekommen steigen wir aus und Andenfüchse und Dutzende von gelben Vögel begrüssen uns in der Hoffnung auf etwas Essen. Alle machen schön «Platz» gehen aber trotzdem leider leer aus.

Immer wieder durchqueren wir Pfützen mit sandigem Untergrund, fahren dem Hang entlang und schauen in die grünen Täler.

Wegen dem Regen und dem klaren Licht sind die Farben der Felsen deutlich zu sehen. Immer wieder lasse ich auch die Drohne steigen, um noch eine andere Perspektive einzufangen.

Der Atuel ist sicher ein Highlight auf der Reise in den Süden. Vögel und Tiere sind immer wieder zu finden. Für grosse Fahrzeuge ist auch die Tunnelhöhe zu checken.

Kaum aus dem Canyon raufgefahren beginnt der angekündigte Dauerregen. Wie wäre das wohl rausgekommen, wenn es früher zu regnen begonnen hätte? Der Canyon ist sehr zu empfehlen, jedoch bei Regenwetter zu vermeiden. Auch an unserem Schlafplatz am Staussee von El Nihuil hört der Regen, auch bis in die tiefe Nacht, nicht auf.


El Nihuil nach Las Lenas (21.10.26)

Bei schönstem Sonnenschein erwachen wir am Rand des Stausees. Der erste Blick auf die verschneiten Berge der Anden löst Freude und Lust auf mehr aus.


Gestern Abend fuhren wir am dunkeln Canyon hinter der Staumauer vorbei. Heute wollen wir uns diesen genauer anschauen. Staunend stehen wir dort und stellen uns vor, wie viel Schmelzwasser in  der Eiszeit aus der Anden hier diese Kerbe in den Felsen geschliffen hat. Wenn ich mir die Wassermassen des Stausees vorstelle, wie sie hier den Canyon herunterbrausen läuft es mir bei dieser Naturkraft kalt den Rücken hinunter.

Nun besuchen wir als echte Schweizer einer der bekannten Skiorte in Patagonien. Las Lenas liegt 2240 Meter über Meer und es hat noch reichlich Schnee. Die Fahrt nach Las Lenas ist ein Augenschmaus. Das Schmelzwasser schlängelt sich durch das Tal und im Hintergrund türmen sich die schneebedeckten Berge.

Einige Touristen fahren hier mit dem Sessellift oder Schlitteln die Piste hinunter. Rund 30 km präparierte Pisten laden im Winter zum Skivergnügen ein. Der Gipfel liegt auf 3430 Meter und die längste Abfahrt beträgt 7 km.

Am Pozo de las Animas machen wir einen kurzen Halt und stellen uns vor, wie der Boden wegen einem Grundwasserstrom hier eingebrochen ist.  Sehr imposanter Ort.


An einem dieser idyllischen Flüsse übernachten wir. Ab und zu reitet ein Gaucho mit seinem Hund durch das Tal.

Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter nach Malargüe.

 

Malargüe und die Vulkanregion 22.10.2026

In Malargüe angekommen schlendern wir etwas durch die Stadt und gehen ins Sabores de Mantana um einem Lobos de la Casa zu geniessen. Das Essen ist ergiebig und darum verzichten wir sogar auf das Nachessen am Abend.

Die Fahrt nach Chos Malal ist verwunderlich und überraschend zu gleich. Immer wieder staunen wir über das was wir sehen.


Hier noch ein paar Eindrücke zur Fahrstrecke.



Diese Tafel zeigt uns: Schon viele waren an diesem unbekannten Ort. Sogar ein paar Revolverhelden 😊


La Pasarela ist eine imposante Brücke, welche über die Schlucht des Rio Grande führt. Es ist ein Muss, auf dieser Brücke ein Foto zu machen oder einen Film zu drehen.


Dort halten wir an und wundern uns über die vielen Gedenkstädten am Strassenrand. Aktuell wissen wir nicht was diese bedeuten und warum dort Dutzende, mit Wasser gefüllte PET Flaschen abgelegt sind. Nach dem Googeln lernen wir folgendes:  Dieser Altar ist der Difunta Correa gewidmet. Reisende, Lkw-Fahrer oder Pendler halten dort an, um eine sichere, unfallfreie Reise zu bitten oder sich für eine überstandene Gefahr zu bedanken. Es ist üblich, den Figuren Opfergaben dazulassen – wie Wasserflaschen (bei Difunta Correa, weil sie laut Legende vor Durst starb), Kleidung, Schuhe, Kerzen oder kleine Geldspenden. Wir respektieren alle Formen von Glauben. Unser Motto heisst aber: «Gott sei Dank- wem denn sonst»

Malergüe ist bekannt wegen seinen rund 800 Vulkanen. So eine grosse Ansammlung auf engstem Raum findest du selten auf der Welt. Auf der Ruta 40 fährst du entlang dieser Vulkanregion. Bis zur Ruta 40  finden wir Lavagestein, das willkürlich aus dem Boden ragt.


Am Rio Grande finden wir einen ruhigen Schlafplatz. Wir parken in gutem Abstand auf einer Erhöhung neben dem Fluss.


 

Chos Malal 23.10.26

Gemeinsam mit der Sonne erwachen wir am Ufer des Rio Grande. Die Nacht war ruhig und angenehm. Mit dem schönen Wetter leuchten auch die roten Felsen, die an Arizona erinnern.


Die Strassen wechseln sich zwischen Sand und Asphalt ab. Die endlosen Weiten der Landstrassen haben eine beruhigende Wirkung. Das Panorama ändert sich gefühlt alle 5 Minuten. Aktuell erheben sich aufeinander geschobene Gesteinsschichten entlang der Strasse.


Am Übergang von der Provinz San Juan nach Neuquen erfolgt jeweils eine Früchte Kontrolle. Dieses Mal haben wir keine Früchte dabei, aber der Kontrolleur ist in der Mittagspause...



Das Schmelzwasser des höchsten Berges/Vulkans Domuyo 4707 Meter wird im Westen vom Rio Neuquen und dem Rio Varvaco gesammelt. Im Osten sind es die Flüsse Rio Colorado, Arroyo Turbio und Arroyo Domuyo Norte.

Plötzlich stehen vor einem Berg, der von Wasser ausgewaschen ist. Darauf wächst keine Pflanze, obwohl die ganze Gegend fruchtbar ist. Wir halten an und wollen uns das genauer anschauen. Plötzlich stehen wir vor einem Canyon mit einem reissenden Wasserstrom dem Rio Ranquil. Nach einigen Recherchen finden wir heraus, dass dieser das Schmelzwasser des Vulkans Tromen (4114 Meter) sammelt. Dieser Vulkan liegt nur 70 km Luftlinie südwestlich vom Domuyo entfernt. Warum interessiert mich das an diesem Ort? Ich stelle mir immer wieder vor, wie viel Wasser nach der Eiszeit in Bewegung war. Hier sehen wir, was ein Vulkan an Spuren hinterlässt, wenn die Schneeschmelze eintritt.


Mich faszinieren immer wieder die geologischen Hinweise auf die weltweite Überschwemmung, die Kontinentalplattenverschiebung mit der Vulkanologie und der anschliessenden Eiszeit mit der Schneeschmelze in gigantischem Ausmass.

Die Anden erstrecken sich im Osten und die Cordillera del Viento verläuft parallel im Westen. Darum wechselt auf der Fahrt nach Chos Malal die Sicht von den Vulkanen auf die Anden.

In Chos Malal fahren wir zuerst zur YPF. An der Tankstelle wird soeben ein Tankwagen abgeladen. Ich will zur Zapfsäule einbiegen, als ich die wartenden Autos in der Strasse erkenne. Rund zwanzig Autos stehen in der Schlange, um Benzin zu tanken. Das Gerücht, dass Benzin in dieser Gegend ein knappes Gut ist bewahrheitet sich. Darum kaufen wir im Supermercado Landete (Suc. Centro) zuerst ein für die nächste Woche und sind überrascht von dem grossen Angebot. Tamara ist im siebten Himmel.

Jetzt stehen wir an der YPF an uns es nur noch eine kurze Warteschlange. Dort füllen wir auch unsere Wassertank kostenlos auf. Danach geniessen wir einen Kaffee und Kuchen gegenüber der Tanke im DON COSTA PASTELERIA.


Leider haben die Wäschereien am Freitag Nachmittag alle schon geschlossen und machen erst am Montag wieder auf, dabei erheben sich schon Berge 🤷🏻‍♀️😅 und die UH werden knapp....

Zuerst wollen wir in der Stadt schlafen. Wir sehnen uns jedoch nach Ruhe und Landschaft. Einen schönen Schlafplatz am Fluss finden wir direkt nach Chos Malal.

Fahrt nach Los Bolillos 24.10.2026

Unseren schönen Schlafplatz verlassen wir und machen vorher noch ein legendäres Foto auf der «Halbstation» der Ruta 40. Die Ruta 40 ist rund 5300 km lang. Mit unserem Abstecher nach Valdes liegen jetzt noch rund 3800km vor uns.


Unsere Reise führt uns über Andacollo und Las Ovejas nach Varvaco direkt nach Bolillos. Bei unserem ersten Stopp in Andacollo lernen wir wieder etwas über die Geschichte von Südamerika. Die 18 Meter grosse weibliche Gestalt der Patria wurde zum 200 Jahresjubiläum der Vaterlandsfreiheit errichtet. Am 25. Mai 1810 befreite sich Argentinien von der spanischen Herrschaft. Das zentrale Element ist eine Frauenfigur, die in die argentinische Flagge gehüllt ist und eine phrygische Mütze (gorro frigio) als Symbol der Freiheit trägt. Der Festtag heisst Revolución de Mayo.



Auf dem nahegelegenen Aussichtspunkt haben wir eine tolle Sicht auf Andacollo. Auch die umliegenden Berge wären sehr hübsch. Aktuell verstecken sie sich hinter den tiefhängenden Wolken. Das Panorama lässt uns erahnen, wie imposant diese Rundumsicht auf die verschneiten Berge wäre.



Am Mirador la Puntilla kreisen mehrere Andenkondore über uns und auch tief im Tal über dem Rio Neuquen. Wir beobachten die imposanten Tiere mit bis zu 3 Meter Spannweite. Die 11-15 kg schweren Vögel gehören zu den grössten Vögeln der Welt. Du kannst diese Geier Art am fleischigen Kamm und der weissen Halskrause erkennen.



Auf dem Aussichtssteg dürfen pro Plattform jeweils nur 5 Personen stehen. Die Konstruktion sieht auch so aus, dass sie nicht für die Ewigkeit gebaut ist... Am Rand des Canyon zieht Vogelgesang die Aufmerksamkeit auf uns. Auf dem Felsen sitzt der Vogel: Es könnte sich um einen Naranjero handeln. Er leuchtet in der Sonne und singt lustvoll vor sich hin.



Die Fahrt ist aufregend und wir halten immer wieder an für einen Fotostopp. In Varvarco ist ein Highlight, wie der Rio Neuquen und der Rio Varvarco sich zu einem Fluss vereinen. Es ist beeindruckend, wie das klare Schmelzwasser des Rio Neuquen sich mit dem braunen Wasser des Rio Varvarco mischt.


Blumen spriessen an Büschen und Bäumen. Es ist wunderbar zu beobachten, wie die Natur im Frühling den Sommer sucht. Die Wolken haben sich mehrheitlich aufgelöst und auf der Fahrt nach Los Bolillos wird die Sicht auf die Anden immer klarer.



In Los Bolillos angekommen will ich die letzten Sonnenstrahlen mit der Drohne geniessen. Das Zeitfenster schliesst sich nach 10 Minuten und dicke Gewitterwolken ziehen auf. Tamara und ich entscheiden die letzten paar 100 Meter den Hügel hinunterzufahren und dort zu parken. Die Strasse auf diesen letzten Meter ist von Regenrinnen zerfurcht und die Gefahr bei einem Platzregen zu kippen zu hoch. Auf dem Platz auf einer kleinen Anhöhe schauen wir, wie sich die Wolken rund um uns entleeren.

Nach den ersten Tropfen fahren ca. 7 Fahrzeuge an uns vorbei. Der erste Gedanke bei dieser grossen Touristenflut ist: «Jetzt ist es aus mit der Ruhe.» Der Wetterbericht zeigt, dass es in einer Stunde wieder aufhellt. Tamara und ich ziehen uns für die 5km lange Wanderung an.

Die Wandergruppe ist ausgerüstet für eine Hochgebirgstour mit Rucksäcken, Wanderschuhen und Wanderstöcken. Wir mit Turnschuhen und Sonntagshosen (die anderen sind in der Wäsche). Der Wanderweg führt uns zum ersten Aussichtspunkt, von dem aus das ganze Tal überblickbar ist. Dort liegen zwei tote Ziegen, die mit ihrem süssen Verwesungsgeruch wohl die Andenkondore anziehen sollen.



Der Wanderweg kommt nun an den von Luft, Sand und Wasser ausgehölten Felsen. Dort macht die grosse Wandergruppe halt und wir müssen lange warten, bis alle durch den Bogen gelaufen sind und ein Foto gemacht haben.



Tamara will sich bereits von der grossen Gruppe loslösen, als wir bemerken, dass der Wanderweg aus unserer Sicht hier endet. Was du über Südamerika wissen musst ist, dass die angepriesenen Wanderungen selten bis gar nicht gekennzeichnet sind. Den letzten Touristen sehe ich jedoch links hinter dem Felsentor nach unten steigen. Wir folgen unauffällig. In angenehmem Abstand warten wir sitzend an den Felsen, bis wir sehen, wo sich die Wandergruppe hinbewegt.



Den verwitterten Felsen entlang geht der Weg bis wir links über einen Grat zu den roten spitzigen Felsen hinuntersteigen. Der Abstand zur Wandergruppe hat sich wieder angenehm ruhig erweitert.

Das Panorama auf diesem Grat ist nochmals «next Level»

Links um die roten Spitzfelsen geht es um den Berg. An dem Ort wo die Gruppe wieder sehr lange braucht, holen wir auf und entdecken einen steilen Höheleingang. Die Touristen erklären uns, dass es sich in den Felsen um einen Friedhof handelt. Wir warten, bis die Tour abgezogen ist uns besuchen den Höhlenspalt einsam. In diesem Moment kommt die Sonne.



Entlang den roten Spitzbergen laufen wir wieder den Hang hoch und jetzt scheint die Abendsonne auf die Felsformationen. Wir sind hin uns weg betreffend dem Anblick in der Abendsonne.



Hin und Weg ist plötzlich auch die Touristengruppe. Hinter welchem Felsen sind sie verschwunden? Weiter hinten sehe ich, wie sie auf einem Felsenvorsprung stehen und den Sonnenuntergang beobachten. Wir laufen quer Feld ein in diese Richtung. Den Wanderweg schon lange verlassen….

Beim Aussichtspunkt verabschiedet sich mein Akku und ich kann leider keine Fotos mehr machen. Wir bleiben noch etwas stehen, um die Ruhe und Aussicht zu geniessen. Wo sind jetzt alle hingegangen? Gott sei Dank, kommt ein Tourguide von «Agencia Rumbo Norte» zurück und winkt, dass wir aufschliessen sollen. Er erklärt uns, dass wir uns sonst verlaufen. Hier sehen mittlerweile alle Steine gleich aus.



Der Weg endet wieder abrupt und mündet in einer Felsspalte. Nie hätten wir das selbst herausgefunden. Auch wenn wir uns die ersten Meter noch hineingewagt hätten, wäre es uns dann doch zu eng geworden, als dass wir hinter diesem Pfad einen Wanderweg vermutet hätten.



Nun ist der Weg wieder klarer zu sehen und es geht wieder bergauf. Ein Touroperator aus Buenos Aires hat sich unter die Touristengruppe gemischt, weil er solche Touren auch anbieten will. Er spricht perfekt Englisch und warnt uns vor gefährlichen Orten in Städten, weil sie körperliche Gewalt antun, um dein Mobile zu entreissen. Jetzt ist mir wieder neu bewusst, dass wir uns von Grossstädten fernhalten oder entsprechende Quartiere mit Drogenproblemen meiden.

Der nette Tourguide verspricht mir noch ein paar Fotos zu senden, die er mir seinem Mobile von uns gemacht hat. Argentinier sind sehr offen und hilfsbereit. Es ist superlieb, dass er uns noch ein paar Fotos sendet. Es empfiehlt sich, einen Tourguide zu buchen, oder sehr viel Zeit zu nehmen, um die 5 bis je nach dem 10km langen Wanderwege selber zu entdecken.

Alle Winken beim Wegfahren und haben Freude einem Touristenpärchen das Leben gerettet zu haben. 😊

In der Stille des Abends hören wir nichts und der Mond geht hinter den Bergen auf. Die Nacht ist ruhig und kalt.


 

Aufwachen in Los Bolillos 25.10.2026

Die Nacht war mäuschenstill und bärenkalt. Wir erwachen mit 6 Grad und das bei Innentemperatur. Während der Nacht hat es auf den umliegenden Bergen und Vulkanen geschneit. Um 08.30 Uhr wärmen die ersten Sonnenstrahlen unseren Camper und es wird angenehm warm bei 10 Grad.


Als wir die Fensterstoren öffnen, weidet eine Herde Pferde direkt vor unserem Fenster. Danach traben sie ins Tal auf die grüne Ebene und geniessen die Morgensonne. Während dem Frühstück läuft eine Kuh an unserem Fenster vorbei und schaut neugierig hinein. Der Kaffee ist noch nicht ausgetrunken winkt uns ein Gaucho mit seinem Hund und einigen Dutzend Ziegen beim Vorbeiziehen zu. Was in ihm wohl vorgeht, wenn er mit seinen Ziegen umherwandert?

Hier in den Bergen ist der Frühling angebrochen. Noch nicht überall bei den Pflanzen, jedoch bei den Tieren. Überall laufen Kälber und Lämmer ihren Müttern hinterher. Auch Kondore ziehen unweit von unserem Schlafplatz ihre Kreise



Mittlerweile sind wir richtig wach geworden und staunen über den blauen Himmel und die schneebedeckten Berge um uns herum. Tamara und ich sind uns einig: Wir bleiben noch einen Moment an diesem schönen Ort!


Tamara läuft nochmals auf die Anhöhe und geniesst die Stille. Ich suche den optimalen Startpunkt für ein paar spektakuläre Drohnenflüge. Das Wetter ist der Hammer!


Auf der Rückfahrt treffen wir noch ein paar Gauchos, welche ihre Kuhherden vor sich hertreiben. Oft treiben sie die Herden auch auf den Strassen, so dass wir einige Minuten warten dürfen, bis die Strasse passierbar wird.



Die Fahrt zurück über Varvarco nach Chos Malal führt uns an den gleichen Orten vorbei wie bei der Hinfahrt. Auf unseren Reisen haben wir festgestellt, dass das Panorama und das Gefühl bei einer Hin-und Rückfahrt komplett unterschiedlich sind. Beide Fahrten haben ihre Höhepunkte und Besonderheiten.



So essen wir zum Beispiel über Andacollo auf einem Aussichtspunkt unser Mittagessen - gestern noch bewölkt und heute sieht man die weissen Bergspitzen. Das Panorama ist 360 Grad, im Osten die Anden und im Westen der Domuyo mit «seiner» Bergkette.

Jetzt freuen wir uns auf eine warme Dusche und einen ruhigen Abend. Heute geniessen wir einen Malbec zum Abendessen. Über dem Hügel vor unserem Fenster erstrahlt plötzlich ein grelles Licht. Es ist heute Vollmond und die Nacht ist taghell.

Chos Malal 26.10.2026

Es gibt zwei Wäschereinen in Chos Malal. Nur eine hat gute Bewertungen, aber alle sind gut ausgelastet. Alle Hotels machen sich auf die Saison parat und bereiten die Bettwäsche vor. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die schlechter bewertete Wäschereien zu nutzen. Wir hätten sonst mehr als 2 Tage warten  müssen, bevor wir weiterreisen können.

So parken wir unseren Camper am Fluss und verarbeiten die Eindrücke der letzten Tage. Diese «Zwangspause» kommt uns sehr gelegen.


Wir sind gespannt, ob wir unsere Kleider komplett und unbeschadet wieder erhalten werden...

 

 

 

 

 








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