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Südamerika - Ankunft Camper in Uruguay

Walter Blattmann
vor 8 Stunden
14 Min. Lesezeit

Heute ist der Tag der Wahrheit. Kommt unser Camper ohne Beulen und Kratzer an? Sind unsere Sachen noch im Auto? Hat ein Matrose in unserem Auto während der viereinhalb wöchigen Überfahrt bei uns gewohnt? Springt der Motor noch an oder ist die Starterbatterie leer. Wie geht es den Solarpanelen und der Aufbaubatterie?


In Montevideo haben wir heute am 6.10.26 den "Grossen Tag der Camper Übernahme". Beim Agenten warten bereits rund ein Dutzend Reisende, um auch ihre Camper zu übernehmen. Bis zu 17 Tönner gibt es hier imposante Fahrzeuge. Ab Zwölf Tonnen gilt das Fahrzeug hier in Südamerika als LKW. Das erzählt uns Bruno mit seinem 11.9 Tönner. Wir und der Toyota von Harald und Sabine sind mit 3.5 Tonnen die "Pecenios". Am Hafen müssen wir uns mit Pass ausweisen, um aufs Hafengelände zu kommen.


Übrigens werden die Schifffahrts- und die Abholgebühren nach Grösse und Tonnen verrechnet. Das sind wir froh, haben wir ein kompaktes Auto. Mit Transferbus  auf dem Hafengelände werden noch Reisetipps ausgetauscht. Auf dem Internet heisst es, dass in Uruguay Mautstellen nur in bar möglich sind zu bezahlen. Scheinbar hat das gewechselt und es braucht einen Telepaje, der in den weissen Häuschen vor der Zahlstation erhältlich sind. Gut zu wissen. Nervös sind alle im Bus und gespannt darauf in welchem Zustand sich das Fahrzeug befindet.



In der Nähe der Parkplätze steigen wir aus. Nach einer südamerikanischen Wartezeit kommt jemand mit einer Kiste unter dem Arm. Jeder darf sich aus der Kiste (s)einen Autoschlüssen suchen. An meinem Schlüsselbund fehlt der Hauptschlüssel zum Fahrzeug. Ganz unten in der Kiste liegt ein einsamer Schlüssel, den ich als meinen identifiziere :-).



Nun geht es blitzschnell und alle suchen ihre Fahrzeuge. Auch ich finde unseren Camper auf Anhieb. Von aussen ist alles intakt. Mit der Leiter, die mir ein Nachbar zur Verfügung stellt, checke ich noch das Dach. Auch die Sandbleche und Solarpanelle sind noch da. Im inneren wird jede Schublade auf den Inhalt geprüft. Es sieht alles so aus wie auf den Fotos bei der Abgabe des Fahrzeuges. Ein Stein der Erleichterung fällt mir vom Herzen.



Abnahmedokumente werden unterzeichnet und im Hafengebäude erhalten wir alle unseren TIP (Temporary Import Permission). Das wichtigste Dokument, als Beleg, dass wir das Auto in Uruguay eingeführt haben. Gott sei Dank, ist unser Camper gut angekommen. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, dass das Navigationssystem unsere Position nur noch sehr grob angibt. :-) Es werden keine Orte und Strassen mehr angezeigt. Jetzt hilft nur noch google maps oder offline-mapsme.


Wir sind die Letzten, die das Hafengelände verlassen. Dafür die Ersten, die an der einzigen Gasauffüllstation in Montevideo ankommen Es ist Sieben vor Sechs Uhr und unsere gelbe Gaslow Flasche wird aufgefüllt. Er füllt zwar am falschen Ort, nämlich beim Gasausgang zum Regler, aber es funktioniert auch so. Es ist in der Zwischenzeit 2 Minuten nach Sechs Uhr. Zu den anderen wartenden Camper sagt er "Es ist jetzt Feierabend, morgen um 8Uhr ist wieder geöffnet. Für uns eine etwas unverständliche Arbeitseinstellung. Aber uns ist nach einigen Überredungsversuchen  klar, dass er es ernst meint...



Nun fahren wir zum Campingplatz und haben uns mit verspäteter Ankunft dort angemeldet. Für den Telebaje müssen wir noch einmal Fahrzeugausweis und Pass abgeben. Sehr freundlich und ausgiebig werden alle unsere Angaben erfasst. Bis wir fertig sind ist es dunkel.


Die Strassen sind gut ausgebaut und ohne Schlaglöcher. Ohne Internet wissen wir, dass wir in 38km rechts abbiegen sollen, um zum Paraiso Suizo zu gelangen. Es ist so dunkel, dass wir an der "Ausfahrt" vorbeifahren. Kennt ihr die Touristen, welche auf dem Pannenstreifen rückwärts fahren? Wir wissen jetzt wie sich das anfühlt..... . Das grosse Eingangstor "Paraiso Suizo" zeigt uns, dass wir richtig sind. Angekommen ist etwas voreilig. Denn das Areal ist 30 Hektaren gross. Wir fahren drei Mal durch das Quartier "Bern" durch, bis uns eine Taschenlampe den Weg weist. Endlich angekommen und nun ab ins Bett.



Am nächsten Tag heisst es alles aus- und einräumen. Alle Taschen leeren und die im Auto versteckten Gegenstände wiederfinden. Nach halbwegs erfolgreicher Arbeit gönnen wir uns einen Spaziergang am Strand entlang zum nächsten Dorf. Der weisse Strand liegt direkt am Campingplatz. Es fällt auf, dass kein Plastik oder andere Abfälle auf dem Sand oder im Wasser liegen. Alles ist super sauber. Nur die runden Bälle irritieren mich etwas. Nachdem ich die portugisischen Quallen am Strand von Spanien als vermeintliches Verpackungsmaterial eingestuft habe, bin ich jetzt vorsichtiger mit voreiligen Schlüssen... Alge, Qualle oder doch Verpackungsmaterial? Dies Frage bleibt heute noch ungelöst.


Vom Strand aus sehen wir keine Häuser. Google Maps ist jedoch sicher, dass wir hier links abbiegen müssen. Shoppen in Jaureguiberry wird sicher abenteuerlich. Das Dorf ist eine mit Sandstrassen verbundene Häusersiedlung. Wir wollen hier im Dorf einkaufen, weil es heute um fünf Uhr einen Begrüssungsapéro gibt, wo alle die Getränke selber mitnehmen. Skeptisch folgen wir Google Maps. Dann sehen wir Coca Cola Fahnen und darauf hin finden wir den Laden.  Es hat dort alles, auf jeden Fall alles was wir brauchen ;-).



Am Apéro lernen wir die anderen Camper kennen. Offene und gesellige Leute. Hauptsächlich Paare und eine Familie mit zwei Jungen, die Homeschooling geniessen. Einer fragt, "was gibt sieben mal sieben?". "Hallo, wir sind schon in der 3 Klasse! 49." "Nein, sehr feinen Sand😃" meint ein Camper.

Am nächsten Tag waschen wir unsere Kleider und hängen diese draussen bei 14 Grad auf. Endlich entfernen wir mit WD40 und einer Karte die Versiegelungsstreifen Rückstände von der Fährenüberfahrt. Ich klebe die Flaggen, von allen 46 Ländern die wir bereits bereist haben, auf das Auto. Die Flaggen zeigen von links nach rechts, über fast 3 Meter, chronologisch die Länderflaggen der Orte, die wir bereits besucht haben.



Am Abend ist wieder Apéro, wo alle Reisenden von ihren Erlebnissen erzählen. Anschliessend hat Horst die Idee, Pizzas zu bestellen und fragt uns spontan, ob wir mit unserem flexiblen Auto den Pizzakurier übernehmen. Das sind die "Vorteile" die ein kleines Auto mit sich bringt. Anne kommt mit zum Übersetzen. Nur 30 Minuten später fahren wir wieder auf den Platz mit lautem Gehupe. Alle warten schon, mit Heisshunger auf die Pizzas.



Wer eine Peperoni Pizza erwartet hat, bekam eine pikante Salamipizza. Peperoni auf Spanisch heisst Pimientos (oder auf dem Markt "Morron"🤣😂)


Piriápolis (10.10.2026)


Piri ein innovativer Alchemist, war der Stadtgründer. Dank ihm gab es auch eine Schule hier am Ort. Überall finden sich Statuen von ihm zur Erinnerung an sein Schaffen.

Auf dem Markt in Piriápolis geht es lebendig zu und her. An einem Stand treffen wir Deutsche. Sie sind 2021 ausgewandert und verkaufen am Markt Brot und Gebäck. Sie erzählt uns von der Arbeitsmoral der Handwerker...."Heute komme ich nicht. Es regnet" Dazu ein Foto aus seinem Wohnzimmer als Beweis für den starken Regen. 🤣😂 Andere Länder, andere Sitten. Wir kaufen bei ihr eine leckere Zimtschnecke. Am Markt decken wir uns mit Nüssen, Gewürzen, Gemüse und Früchten ein.



Bei Silvia im Paradiso Suizo haben wir eine stehengebliebene EU Gasflasche als Ersatzflasche für wenig Geld gekauft. Wir lassen diese Campinggas Flasche unproblematisch für 8 Euro auffüllen. Alle Schauergeschichten über die Schwierigkeiten der Gasbeschaffung in Südamerika verblassen plötzlich im flexiblen Alltag der Südamerikaner. Mal schauen, wie es in den anderen Ländern ist...



Erst jetzt trinken wir Kaffee mit Aussicht auf das Meer und geniessen dazu die Zimtschnecke. Anschliessend laufen wir durch den Markt und finden noch ein Geschenk für Tamara als Erinnerung an Uruguay. Dann laufen wir zum Hafen, weil es dort Seelöwen geben soll. Die sehen aus wie grosse Robben mit Mähnen, bzw. grossen Schnurrbärten. Zum richtigen Zeitpunkt kommen wir am Hafen an. Zwei Seelöwen spielen zusammen nur 3 Meter vom Steg entfernt. Übrigens haben Seehunde keine Ohren. Seelöwen jedoch schon. So kann der Laie einfach mit-fachsimpeln.



Auf dem Rückweg gönne ich mir ein Helado und lass mich beraten. Marajuca ist sein Favorit und das ist eine gute Wahl. Die einheimische Frucht ist sehr zu empfehlen. Die Fahrt am Meer entlang nach Punta Ballena ist vielseitig. Hunderte von Rindern werden  zusammen getrieben. Die Sandstrände erstrecken sich über Kilometer weit. Im Oktober sollen in Punta Ballena Walfische in Küstennähe vorbei schwimmen. Da sind wir ja auf Morgen früh gespannt. Von hier aus sehen wir das bekannte Casapueblo. Ein Vater von einem Rugbyspieler, der einen Flugzeugabsturz in den Anden überlebt hat, baute dieses Gebäude als Erinnerung. Es gibt einen Film "Alive" aus dem Jahr 1993 zu diesem dramatischen Absturz des uruguayanischen Flugzeuges 571 mit dem ganzen Rugbyteam. Es gibt dazu auch einen Dokumentarfilm mit den Überlebenden aus dem Jahr 2007 mit dem Titel "Das Wunder der Anden".

Es ist bereits 11Uhr nachts und die Fischer warten unermüdlich auf  den nächsten grossen Fang. Das Wetter ist supergarstig bei Wind und 14 Grad harren sie auf den Felsen aus. Die Lichter der Stirnlampen huschen über die Felsen. Tamara und ich schauen dem munteren Treiben aus dem Camper zu. Nach 3 Fehlversuchen während den letzten Tagen, ist heute Abend die Heizung wieder angesprungen. Wir geniessen die Ruhe und Tamara liest noch ein Kapitel aus dem Buch vor, das sie früher bereits gelesen hat. Wahrscheinlich denkt Tamara, dass das Buch auch für mich etwas wäre. Bin gespannt auf den Inhalt des Buches.


Übernachtung in Punta Ballena (11.10.26)


In den frühen Morgenstunden, das heisst für uns 10 Uhr, bestaunen wir die hohen Wellen, sehen aber die vorbeischwimmenden Wale leider nicht. Immer wieder kommen und gehen die Fischer mit ihren langen Ruten. Die meisten lassen die Ruten aus den Seitenfenster der Autos in den Himmel ragen. Ein witziger Anblick :-)

Die Fahrt geht nach Punta del Este. Dort haben viele Südamerikaner eine Wohnung für den Sommer. Jetzt im Oktober sind nur wenige Menschen in der Stadt. Ein Hochhaus nach dem anderen reiht sich den Strand entlang. Die vierspurige Strasse liegt zwischen dem Meer mit der Düne und der Häuserfront. Es erstaunt weiter nicht, dass es auch hier Bauruinen auf Grund von spekulativen Bauinvestitionen gibt.



Unser Ziel sind  "The Fingers of Punta del Este", welche meterhoch am Strand aus dem Sand ragen. Heute ist Sonntag und viele Besucher stehen für ein Foto an.



Dem Strand entlang geht es nach Faro José Ignacio. Diese Strassen dürfen nicht von Lastwagen befahren werden.

José Ignacio hat diese Stadt 1728 gegründet. Rund 200 Jahre danach wurde das Gelände parzelliert. Darauf hin liessen sich Berühmte und Millionäre hier nieder und der Ort wurde zum Hotspot für finanziell gut besaitete Menschen. Das Motto hier lautet: "Ruhig, hier rennt nur der Wind!" Vom Leuchturm aus sehen wir die maximal 2 Stockwerke hohen Häuser sehr gut. Direkt vor dem Leuchtturm parken wir für unser Mittagessen. Tamara zaubert mit dem frischen Gemüse vom Markt ein fantastisches Essen. Ein Uruguayo spricht uns an. Er hat neben uns seinen Camper geparkt. Jose kommt aus Montevideo. Er hat dort seine Garage, wo er auch Mercedes LKW flickt. Er und seine Frau waren mit einem Camper 2 Monate in Europa. Sie haben Spanien, Italien, Frankreich und die Westschweiz besucht. Und ja, ich verstehe schon einiges auf Spanisch... ;-)



Die Fahrt den Strand entlang führt uns immer wieder über Feuchtgebiete. Das führt zu witzigen Brückenkonstruktionen wie hier zum Beispiel dieser Kreisel.


In La Paloma gehen wir zum Leuchtturm. Die Stadt ist menschenleer. Obwohl es Sonntagabend ist, sind die Strassen leer. Es scheint auch hier, als ob die meisten Häuser als Feriendomizil genutzt werden. Auf dem Weg treffen wir noch ein Meerschweinchen an. Wir wissen nicht, ob es eine dicke Maus oder eine Ratte ist. Auf jeden Fall ein "Schwanzloser Grasfresser". Tamara googelt und findet heraus, dass es diese besonderen Meerschweinchen nur im Norden von Urugay und im südlichen Brasilien gibt. Es handelt sich entsprechend um Grenzgänger... Scheinbar sind es Riesenmeerschweinchen.


Hier übernachten wir und Tamara kocht wieder leidenschaftlich. Morgen fahren wir fast zur brasilianischen Grenze.


Tag der "Möchtegernbäume" (12.10.2026)


Am zwölften Oktober 1492 kam Kolumbus nach Südamerika. Dieser Feiertag wurde 2014 umbenannt in "Tag der kulturellen Vielfalt" aus Respekt für die Nachkommen der indigenen Bevölkerung. Etwas spät für die Aufarbeitung, aber lieber jetzt als nie.


In Monte de Ombúes kontaktieren wir den Besitzer eines Biodiversitäts Gebiet. Wir wollen über den Arroyo Valizas mit dem Boot zur Laguna de Castillos. Er antwortet sehr schnell und wir buchen die Tour. Die Fahrt mit dem Boot geht 40 Minuten. Die Tour durch das Naturschutzgebiet nochmals rund eine Stunde. Die Ombúes sind Pflanzen, welche aus Fasern bestehen. Sie wachsen wie ein Gras, welches nach ein paar Jahren ein Busch wird und ca. nach 20 Jahren sieht er aus wie ein Baum, jedoch nicht aus Holz. Diese Hohlfaserbäume finden hier einen Lebensraum, an dem sie überleben und sogar neue wachsen können. Tamara fasst es gut zusammen: "Ein Grasbusch, der sich als Baum ausgibt!"



Hier treffen wir auch die alte Coronilla (Scutia Buxifolia), eine beeindruckende Baumart. Sie hat schon über 400 Jahre unter der Rinde. Die Bäume oder Riesengräser  sind beeindruckend. Der Göttibueb vom Captain spricht perfekt Englisch. Er ist der Tourguide und erklärt uns alles im Detail. Tamara fragt ihn, was die runden und leeren Kugeln, die wir vor Tagen am Strand gefunden haben sind. Er erklärt uns, dass das "Grosser Kaviar" sind. Die unbefruchteten Eier sind leer und werden an den Strand gespühlt. Der Durchmesser beträgt rund 5 bis 7 cm. Es soll sich um Manta Eier handeln. (Bild siehe oben)



Bei der Verabschiedung fragt er, wie Tamara und ich uns gefunden haben. Liebe auf den ersten Blick mit 16 Jahren. Er meint: "Das muss Bestimmung gewesen sein." Ich entgegne: "Ja, ein Geschenk vom Himmel." Der 65 Jährige Captain hat noch eine gute Weisheit: "Jugend ist, wer sich am Leben erfreut!" Wie wahr doch diese Worte sind. Neben den Weisheiten darf auch eine Zwischenverpflegung nicht fehlen. Zwei Hunde und eine Katze schauen uns zu und hoffen noch einen Krümel abzubekommen. Der Kuchen ist jedoch zu lecker und sie gehen leer aus.


Hier noch ein paar Tiere, welche wir auf dem Bootsausflug getroffen haben. Besonders ist der Schnabel der rosa Vögel. Sie haben die Form einer Pizza-Schaufel.



Weiter geht unser Abenteuer nach Aguas Dulces. Die Einwohner hier kämpfen mit "Strandschwund". Jeden Winter wird der Strand immer kleiner. Die Häuser werden in Strandnähe vor allem auf Stelzen gebaut.



Auf der Fahrt nach Punto del Diabolos irritieren uns immer wieder die Palmen zwischen den Kühen und Rindern. Übrigens hat hier in Uruguay ein Bauer tausende von Tieren.



An unserem Schlafplatz angekommen wissen wir, hier wollen wir etwas verweilen. Ich fliege mit der Drohne und Tamara zaubert einen Zucchetti-Burger aus der Bratpfanne. Sie wird eventuell ein 7 Sterne Restaurant aufmachen, wenn wir wieder in Zürich sind. In Uruguay sind gewisse Zucchetti rund.


Nach dem Essen liest Tamara aus dem Buch vor. Ich notiere mir viel und mache eine Skizze von dem was Tamara vorliest. Mit diesen Gedanken gehen wir schlafen. In der Nacht denkt es weiter und vieles wird gefestigt.


Tag der Tiere (13.10.26)

Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Sie steigt direkt vor unserer Windschutzscheibe aus dem Meer. An solchen Orten zu erwachen macht uns besonders dankbar. Wir lesen in der Bibel das Buch "Hebräer". In diesem Buch, wird den Juden den Zusammenhang erklärt zwischen der Tora und Jesus. Extrem spannend wieviel im Alten Testament auf Jesus hinweist. Das Buch wurde in den ersten 70 Jahren nach Christus von Paulus geschrieben. Er war ein römischer Bürger und Jude.


Nun fahren wir dem Strand entlang ins Dorf. Die Dünen wandern hier Richtung Dorf. Einige Häuser haben nun auch aus dem 2. Stock direkte Sicht auf den Sandstrand.



Mitten im Dorf am Strand finden wir einen Parkplatz. Die Fischerboote werden an Seilwinden auf den Strand gezogen. Dieser Ort ist sehr belebt. Viele wohnen hier und überall kleine Bars und Restaurants. Wie in vielen Dörfern an der Küste ist der Boden aus Sand.



Aber was liegt denn hinter der Schaukel rechts im Sand? Winkt uns da was mit der Flosse zu?


Am Strand liegt ein 7 Meter langer Seeelefant. Tamara weiss, dass es sich um ein Weibchen handelt. Sie hat mal gelesen, wie die Nasen der Weibchen aussehen. Ich frage mich, wie sich Tamara das alles merken kann. Ich erinnere mich nicht mal an den Buchtitel🤣


Alle warten gespannt, wie der Seeelefant ins Wasser robbt. Nach mehreren Anläufen und Ruhepausen schafft es der Seeelefant ins Wasser. Wie das ein riesiges Muskelpaket schafft, könnt ihr auf unserem Insta Reel anschauen.

Noch völlig aufgeregt fahren wir zum Nationalpark Santa Teresa. Dieser wird vom Militär verwaltet und der Zutritt ist kostenlos. Der Park liegt am Meer, hat einen botanischen Garten und einen Zoo. Bei den Dünen essen wir unser Mittagessen.

Danach geht es gestärkt zum Tierpark. Uns begrüsst auf dem Parkplatz ein badendes Capybara. Das ist das grösste Nagetier der Welt.

Als ich die Türe des Campers öffne, steht da eine hungrig bettelnde Gans. Erst beim zweiten Blick schaue ich auf ihre Füsse. Jetzt erscheint mir ihr Betteln eher als eine Bedrohung...

Die Capybaras haben im Frühling Jungtiere. Oft sind das 4 bis 6 Kleintiere pro Mutter.


Auch andere Tiere aus Uruguay finden wir hier in diesem schönen Park.


Es folgt eine längere Fahrt  durch das "Landesinnere" nach Villa Serrana. Auf der Fahrt sehen wie einen Greifvogel mit einem Gürteltier in den Klauen neben der Strasse sitzen. Fünf kleine Sträusse wandern durch eine Kuhherde. Ein Gaucho treibt Kühe oder Rinder zusammen. Als Städter weiss man das beim Vorbeifahren nicht so genau. Die Strassen sind langgezogen und schier endlos.

Auf der Fahrt hören wir eine Predigt von Tobias Teichen, "Die Kraft der Gedanken". Er weisst auf einen Unterschied hin. "Ich glaube nicht an Jesus-, ich glaube Jesus." Spannende Unterscheidung zwischen einem Status (ich glaube an Jesus) oder einem Lebensstil (Ich glaube Jesus).



Die Naturstrassen sind teilweise besser als die Asphaltstrassen. An die Wellblech Geräusche des Bodens gewöhnen wir uns sehr schnell. Unser nächstes Ziel ist ein Bergdorf. Villa Serrana wurde 1945 mit einem Stausee im Tal angelegt. Die Häuser liegen am Hang und sind in einem angenehmen Abstand voneinander in die Natur eingebettet. Unser Schlafplatz ist direkt beim Stausee an der Strasse.


Nueva Helvecia (14.10.26)


Bereits bei der Ankunft hupen und leuchten uns entgegenkommende Fahrzeuge auf. Kein Wunder, wir haben vorne ein überdimensioniertes Schweizerkreuz auf unsere Front aufgeklebt. Auch die Autos sind ordentlich geparkt, wie wir es uns in der Schweiz gewöhnt sind. :-)

1862 wanderten einige Schweizer, Deutsche, Belgier und Franzosen wegen einer Wirtschaftsnot in Europa nach Uruguay. Sie brachten Werkzeuge und Landwirtschafts-Know-How mit. Noch heute erinnert das Denkmal mitten in der Stadt an die starken Eidgenossen, welche den Pflug ziehen. An solchen Waden kann sich so mancher "Gümmeler" ein Vorbild nehmen.



Viele Läden werben mit dem Schweizer Wappen. Die Strassen sind mit Berna, Lucerna usw. angeschrieben. An der Häusereingängen erinnern die Bewohner mit den Kantons Wappen der Vorfahren. Viele Berner Wappen finden wir, jedoch leider keine Zürcher.



In einer Ferreria erkläre ich mit Händen und Füssen, welche Befestigungsteile ich für den Gasadapter brauche. Die Teile kosten umgerechnet 30 Rappen und passen perfekt. Nun wollen wir in einer Käserei noch ein Fondue kaufen. Tamara und ich finden uns in einer französischen Schaukäserei, mit verschiedenen Camembert Varianten. Wir testen uns durch die Käsesorten und kaufen einen kleinen Käse. Über die Grenze nach Argentinien dürfen keine frischen Esswaren mitgenommen werden. Darum kaufen wir noch Vollkornbrot zum Käse für den Znacht. ...die Suche nach einem Fondue geht weiter...


Der Besuch war eindrucksvoll. Sich vorzustellen, wie Auswanderer hier mit ihren Koffern und Werkzeugen ankamen, ist schon beeindruckend.



Heute wollen wir zur Casa Vieja für die Übernachtung. In "Auf und davon" hatten Tamara und ich, als wir noch einen TV hatten, gesehen, wie dieses Schweizer Paar eine Landparzelle im Nirgendwo gekauft hatten. Der Lastwagen lieferte zwei Schiffscontainer und stellte diese auf die Wiese. Einer mit den persönlichen Dingen und einer zum Wohnen. Ich weiss noch, wie waghalsig ich das fand und wie mich das Ehepaar beeindruckte, wie sie das zusammen gemeistert hatten.



Noch heute nach 7 Jahren, stehen die Container  dort. Aber auch wunderschöne Bungalows und ein Pool. Im Hauptgebäude gibt es eine Küche, das Restaurant und die Reception. Auch die Nassräume haben Schweizer Standard. Kompliment an das Ehepaar "Althaus". Gestern feierte die Inhaberin ihren 60. Geburtstag . Als Überraschung sind die Kinder und der 15-Jährige Enkel zu Besuch gekommen.


Colonia del Sacramento 15.10.26


Im Stadtzentrum parken wir und treffen dort 3 Camper Paare, die wir im Paraiso Suizo kennen gelernt haben.


Zuerst gehen wir vom Hafen durch die Seufzergasse hoch. Scheinbar sollen dort Sklaven vom Hafen zum Markplatz gegangen sein. Es gibt zum Hintergrund der Namensgebung auch noch softere Varianten.


Das Café Anita wird uns empfohlen. Der Crumbled Manzana ist der Hammer. Tamara sieht etwas angeschissen aus-, nicht wegen mir, sondern wegen einem vorwitzigen Vogel über der Gartenterrasse. Wieder sauber geputzt, schauen wir die künstlerisch bemalte Fussballstadion Mauer an.


Die Oldtimer in Uruguay sind omnipräsent. Auf den Schrottplätzen oder in der Stadt für Werbezwecke stehen die Zeugen der 30er.


Die Fahrt nach Carmelo ist in der Abendsonne stimmungsvoll. Um 6 Uhr kommen wir an und begutachten unseren späteren Schlafplatz. Ruhige Lage am Rio Plata und auch sicher für die Nacht.



Die Metallbrücke wird von zwei Personen gedreht, um grossen Schiffen den Durchgang zu gewähren.



Im lokalen "Migros", was in Deutschland einem "EDEKA" entspricht, wissen wir dass wir in Südamerika angekommen sind.



Die Restaurants öffnen spät. Darum müssen Tamara und ich notfallartig in einer Tanke einen Sack Chips kaufen. Das warten, bis das Restaurant öffnet, lohnt sich! Endlich ein uruguayisches Filet.



Das Auto haben wir direkt vor dem Restaurant geparkt. Am Abend wollen wir in Carmelo nicht zu Fuss unterwegs sein.



Fahrt nach Frey Bentos zum Grenzübergang nach Argentinien (16.10.2026)


Slalomfahren auf der Überlandstrasse ist hier wieder angesagt. Bis zu 30cm tiefe Löcher müssen geschickt umfahren werden. Es lohnt sich hier etwas langsamer zu fahren, um die Reaktionsphase zu verlängern. Das positive am Strassenbau in Südamerika ist, dass es keine Staus wegen Baustellen gibt. Die Strassenbauarbeiter flicken die Strassen so, dass bei jedem Loch in der Strasse etwas Teer abgeladen wird. Flachgedrückt wird der Teer vom nächsten Auto, das darüber fährt.



Wie wohl der Grenzübertritt nach Argentinien abläuft. Das werden wir in wenigen Stunden rausfinden. Wenn alles gut läuft, melden wir uns wieder aus Argentinien.






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