Kanarische Inseln - Teneriffa- Anaga Gebirge
- Walter Blattmann
- 21. Apr.
- 14 Min. Lesezeit
Die Fähre nach El Hierro wurde ersatzlos gestrichen. Wegen dem Sturm Therese waren wir froh früher auf Teneriffa gestrandet zu sein. Dort konnten wir unbeschadet den Sturm aussitzen. Wir wissen, dass Semana Santa vor der Türe steht, aber nicht, dass Calima hinter dem Haus wartet.

Rundwanderung Chinyero (27.3.2026)
Die Fahrt zum Monana Negro ist nur 30 Minuten weit. Dort hat Tamara einen Platz für uns im Nationalpark reserviert. An einigen Orten muss man sich registrieren, um dort zu stehen. Von diesem Startpunkt ist die Rundwanderung rund 10 km. Die Anfahrt ist schon abenteuerlich.

Der Weg ist neblig und an den Bäumen hängen diese gelben Flechten. Sehr viele davon sind auch vom Sturm heruntergerissen worden.
Je höher wir wandern, desto weniger Nebel hat es. Der verschneite Teide und der Chinyero kommen hinter dem Nebel hervor.
Weiter oben haben wir eine atemberaubende Aussicht auf den Vulkan. Auch die rote Spitze des Vulkans und das schwarze Lavafeld sind von hier gut sichtbar.

Der Wanderweg ist länger als gedacht es sind rund 12 km um den Vulkan... Unser Mittagessen geniessen wir mitten im Lavafeld. Auf der Lava zu sitzen ist jedoch nicht sehr gemütlich, weil diese aus spitzen und zackigen kleinen Steinen besteht. Wir überstehen die Mittagspause ohne Risse in den Wanderhosen ;-). Die Aussicht ist unvergesslich.

Auf der Wanderung gibt es immer wieder die schönsten Ausblicke auf das Panorama der Vulkanwelt. Hinter dem Lavafeld guckt der Chinyero hervor und rechts der weisse Teide.

Auch beim Rückweg durch die Kiefernwälder sehen wir wo die Lava sich eine Bahn durch die Wälder gebrannt hat.

Nachdem wir wieder im Camper sind überlegen wir uns, ob wir hier bei kalten Temperaturen übernachten wollen oder doch lieber bei Sommertemperaturen am Meer. Tamara und ich verstehen uns wortlos und fahren den Krater hinunter zum Meer. Die Strassen sind gewohnt steil und die Aussicht auf die Küstendörfer phänomenal. Wir versuchen einen Eindruck der Fahrt einzufangen.

Los Silos liegt an der Nordwest Küste und von dort aus kann man Wale beobachten. Ein Originalskelett ist direkt am Strand aufgestellt.
Die Naturschwimmbecken sind in imposanten Basalsteinen eingebettet. Leider sind die Wellen sehr hoch und die Temperatur nur 20 Grad.
Tamara kocht heute wieder etwas Ausgezeichnetes. Wir nehmen noch eine Dusche und gehen mit Meeresrauschen ins Bett.
Garachico (28.3.2026)
El Bufadero das Naturschwimmbecken in Los Silos begeistert mich mit den sechseckigen Steinmustern. Tamara und ich machen dort einen Morgenspaziergang und lassen die Basaltsteine nochmals auf uns wirken.
Den letzten Teil des Spaziergangs macht Tamara allein, weil ich mich in den Steinen am Strand verliere. Und es hat so viele schöne Steine...
Es geht weiter auf unserer Fahrt . Am Abend sind wir bereits in Garachico und machen uns einen ersten Eindruck. Diese Stadt wurde 1447 gegründet. Daraus entstand ein florierender Handelshafen, den auch die Freibeuter und Piraten gerne besuchten. Darum entstand 1575 die heute noch intakte Festung Castillo de San Miguel. Am 5. Mai 1706 brach der Vulkan Montania Negra aus. Von den acht Lavazungen flossen drei in das Hafenbecken. Der Hafen konnte nun nicht mehr genutzt werden. Puerto de La Cruz übernahm die Rolle für den eingestellten Handelsverkehr.

Start Semana Santa (29.3.2026)
Heute ist Palmsonntag und auf dem Internet steht, dass in Garachico um 11 Uhr Jesus auf dem Esel einreitet und auch am Abend eine Prozession zum Start der Osterwoche stattfindet. Tamara und ich haben noch nie eine Prozession miterlebt und sind darum interessiert dabei zu sein. Immer wieder sehen wir Leute mit Palmwedel umherlaufen. Alle sind festlich gekleidet zu diesem besonderen Feiertag. Mal Hand aufs Herz: Wer weiss, was am Palmsonntag geschehen ist? Es handelt sich um das jüdische Passafest. Beim Passamahl halten die Juden immer einen Platz frei, weil ja der versprochene Prophet vielleicht heute kommen könnte. Genau an diesem Feiertag reitet Jesus auf einem Esel, wie es Sacharja 9.9. in der Tora bzw.alten Testament rund 500 Jahre vor Christus vorausgesagt hatte, in Jerusalem ein. Das Volk erwartet ihn mit Freuden mit Palmzweigen. Diese eindrückliche Prozession findet an diesem Morgen statt. Die Prozession endet in der Kirche Santa Ana und die ganze Gefolgschaft sitzt nun in der komplett gefüllten Kirche mit ihrem Palmwedel. Drei Priester erzählen die Ostergeschichte vom Einzug von Jesus nach Jerusalem, bis zum letzten Mahl mit seinen Jüngern, der Verrat im Garten Gethsemane bis zur Kreuzigung. In der Karwoche finden solche Prozessionen am Palmsonntag, Karfreitag (Kreuzigung) aber leider nicht am Ostersonntag (Auferstehung) statt. Einer der Priester motiviert die Leute mit den Palmwedeln fröhlich zu rascheln. Das tönt lustig und wirkt festlich 😊. Anschliessend erzählt er wie wichtig es ist die Vergebung von Jesus persönlich anzunehmen. Wir bleiben bis zum Schluss des Gottesdienstes und Tamara übersetzt mir immer wieder. Ja, Tamara versteht spanisch und redet auch schon recht verständlich - wo weit ich das beurteilen kann. 😊
Für Tamara und mich ist es klar, dass wir bis um 19 Uhr bleiben, um die zweite Prozession mitzuerleben. Jetzt wissen wir, dass die Prozession in der Parroqua de Santa Ana startet und in der Kirche Santa Ana endet. Um 19 Uhr beginnt der Gottesdienst und erst dann merken wir, dass die Prozession erst um 20 Uhr nach dem Gottesdienst beginnt. Draussen stellen sich rund 40 Musiker auf für den Umzug. Die Musik ist dramatisch, wie in einem Monumentalfilm. Die Träger der beiden Bilder laufen im Schritt der Musik und die Statuen auf den Schultern der Männer wackeln ehrfürchtig im Takt. Die Kerzenträgerinnen säumen den Umzug. Sie verbinden die beiden Statuen von Jesus und hinten mit Maria, die mit mit einem Dolch im Herzen abgebildet ist. Hier muss man sich vorstellen, dass die Mutter jeden Schritt von Jesus mitverfolgt hat bis zum Kreuzestod. Sie wusste je bereits vor der Geburt, dass Jesus Gottes Sohn ist und sich selbst opfern wird für die Vergebung unserer Sünden. Der Dolch im Herzen der Maria kann nur bescheiden beschreiben, welchen Schmerz Maria erleben musste.
Die erste Statue ist noch dramatischer. Sie zeigt Jesus, wie ein Engel ihm den Kelch hinstreckt. Jesus betet im Garten Gethsemane zu Gott: «Wenn es eine andere Möglichkeit gibt, um den Menschen ihre Sünden zu vergeben, dann soll dieser Kelch an ihm vorübergehen. Aber Gottes Willen soll geschehen und nicht der Wille von Jesus.» Gehorsam bis zum Tod war sich Jesus bewusst, was ihm bevorstand. Von Gott und den Menschen verlassen würde er einen qualvollen Tod am Kreuz sterben. Auch die Statue zeigt, wie Jesus Blut schwitzt, was unter extremem Stress passiert. Weiter zeigt die Statue von Jesus, wie zu seinen Füssen die Jünger in den schwersten Stunden von Jesus eingeschlafen sind. Wie enttäuschend muss es für Jesus gewesen sein, als er vom Beten zurückkam und alle schliefen. Er forderte sie auf wach zu bleiben und auch zu beten, damit er genug Kraft bekommt, um das alles zu tragen. Er ging ein zweites Mal in die Stille und als er zurückkam, schliefen wieder alle. Die Prozession mit den beiden Statuen und der Musik geben einen guten Eindruck der Situation am Abend des Palmsonntags. Erst noch am Abend zuvor hatten sie zusammen das letzte Mahl gegessen und Jesus hatte ihre Füsse gewaschen, um ihnen zu zeigen, dass wir anderen in Liebe dienen sollen. Seine engsten Vertrauten hatten im Garten Gethsemane leider noch nicht verstanden, dass Ostern bevorstand und wer Jesus wirklich ist. Wer diese Story mal nachlesen will findet sie in allen vier Biographien (Evangelien), welche von Lukas, Markus, Matthäus und Johannes geschrieben worden sind in der Bibiel im neuen Testament.
Der Tag war bewegend und beeindruckend. Auch die Tatsache, dass in den meisten spanischen Dörfern die Karwoche (Palmsonntag bis Ostersonntag) auf diese Weise gefeiert wird und so viele Menschen daran teilnehmen, stimmt mich positiv nachdenklich.
Eine lustige Begegnung an der Prozession war auch der Junge mit dem Hahn. Er kam mit dem Velo und im Rucksack hatte er seinen handzahmen Hahn dabei. Der Hahn passt sehr gut zu den Osterereignissen. Die reformierte Kirche hat als Erinnerung an Petrus, den Gründer der ersten Gemeinde, auf jedem Kirchenturm einen Hahn. Jesus hatte Petrus am Abendmahl vorausgesagt, dass er ihn noch bevor der Hahn kräht, dreimal verleugnen würde. Petrus konnte sich das nicht vorstellen, aber es traf genauso ein.

Es waren heute sehr viele Eindrücke. Diese kleine Stadt feiert Ostern auf eine familiäre und würdige Form. Es hat kaum Touristen, sondern viele Einheimische, welche sich so auf die Ostertage vorbereiten. Es war sehr beeindruckend.
Fahrt nach Puerto de la Cruz (30.3.2026)
Heute wachen wir spät auf und frühstücken ausgiebig. Danach lesen wir im Thessalonicher Brief, wie das zweite Kommen von Jesus ablaufen wird. Dann telefonieren wir mit zuhause. Um 2 Uhr haben wir ein Teams Meeting und dann erledigen wir noch ein paar administrative Dinge. Wir sind noch von gestern erschöpft und fahren erst um 16 Uhr weiter Richtung Norden. Wir wollen noch einige Dinge besorgen und Wasser entsorgen. Die Besorgungen sind wenig erfolgreich, dafür können wir das Wasser entsorgen. Erst um 20 Uhr kommen wir am Strand von Puerto de la Cruz an.
Puerte de la Cruz und Calima (31.3.2026)
Eine über 1300 km breite Calima Front kommt aus der algerischen Wüste auf die Kanarischen Inseln zu. Wir haben direkt am Meer einen Parkplatz und die Wellen schlagen an die Wellenbrecher und schäumen in die Höhe. Der Teide ist im Saharastaub kaum mehr zu sehen und verdunkelt sich minütlich. Die lange Uferpromenade geht bis zum Park von César Manrique, wo sich ein sehr hübsches Freibad befindet. Wegen den hohen Wellen gibt es technische Probleme die leeren Pools mit Meerwasser zu befüllen.
Puero de la Cruz wurde als Hafen von Orotava genutzt. Orotava liegt 390 Meter weiter oben am Hang. Dort wurde über Jahre Getreide gemahlen, weil es dort fliessendes Wasser gibt, das die vielen Mühlen in Bewegung hält. Hier in Puerto de la Cruz verschifften die Handelsleute die kostbare Fracht in alle Welt. Der Hafen musste gegen afrikanische Piraten und andere Seemächte immer wieder verteidigt werden. Darum steht eine Festung mit Kanonen rund um den Hafen.

Die Stadt gefällt uns sehr gut und hat für alle Gustos etwas zu bieten. Im Hafen wird gefischt, geschwommen und in der Sonne gelegen. Die Hauptstrasse führt direkt am Dorfstrand entlang wo sich Restaurants und Läden aufreihen. Am Hafen ist ein reger Betrieb.
Auch die spanische Kreativität zeigt sich an den Gebäuden von Puerto de la Cruz.
Überall spürt man den Frühling. An der schwarzen Mauer aus Vulkansteinen jagt eine Eidechse in hübschem Balz-Blau eine Eidechsendame. Weiter vorne an der Klippe vergnügen sich zwei Krebse in lebensbedrohlicher Stellung am Felsabsprung.

Am Abend geht die Sonne im Calima Staub unter und Tamara und ich stossen auf die freudigen Ereignisse des Tages an.

Orotava (1.4.2026)
Wer den Weg der 13 Mühlen geht, muss kein Wasser für den Aufstieg mitnehmen. Es hat immer wieder Brunnen mit frischem Quellwasser. Alle Mühlen sind der Wasserader entlang gebaut. Eine Mühle riecht von aussen sehr lecker nach Gofio, ein spezielles kanarisches Mehl. Die Mühle ist aus dem 16th Jahrhundert und immer noch in Betrieb.

In Orotava haben die Händler des Gofio ihre Anwesen gebaut. Das gemahlene Getreide wurde von Lasteseln die 390 Meter hinunter ans Meer getragen. Die prunkvollen Häuser aus dem 15th Jahrhundert sind immer noch gut erhalten. Viele Häuser haben Innenhöfe mit Garten. Ein treppenförmiger Garten wurde mitten im Dorf errichtet.

Im Jahr 2007 hat es Orotava ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Sie haben das grösste Sandmosaik der Welt erstellt. Diese Tradition wird jedes Jahr wiederholt.
Morgen ist Gründonnerstag und erst jetzt merken wir dank einem Polarstep Reisekollegen, dass dieser Tag in Spanien ein Feiertag ist. Das heisst massiv mehr Verkehr auf den Strassen und zudem ist schönes Wetter angesagt. Das wird nach dem Sturmtief Therese und der Calima alle Spanier und Spanierinnen ins Anagagebirge locken. Darum entscheiden wir uns bereits heute Abend noch in der Nähe des Visitor Centers im Waldzu schlafen. Wieder einmal kommen wir im Dunkeln an und wissen nicht genau, wo wir gelandet sind...
Anaga Gebirge (2.4.2026)
Am Morgen wecken uns die Vögel bei Sonnenaufgang und durch den Wald scheint die orange Sonne. Der von Tamara ausgewählte Platz war superruhig und nur das Rauschen der Blätter war in der Nacht zu hören. Am Morgen sehen wir wie schön der Wald im Anaga Gebirge ist.
Wir sind vor 8 Uhr unterwegs und fahren am Visitor Center vorbei. Es öffnet erst um 9.30 und es hat noch genügend Parkplätze. Wir steuern den beliebten Aussichtspunkt Mirador Pico del Inglés an. Wir sind die Ersten und es hat dort auch nur 3 Parkplätze. Die Kanarier wollen den Tourismus auf die Busse verteilen, was auch durchaus Sinn macht, weil es auch nicht viele Rundwanderungen gibt. Die Wanderungen gehen entweder 1000 Meter hinauf oder wieder hinunter. Die Aussicht am einsamen Aussichtspunkt ist atemberaubend. Ich habe bis heute noch nie das Meer über der Wolkendecke gesehen.
Als wir beim Visitor Center ankommen, ist der letzte Parkplatz vergeben. Wir parken in der gelb markierten Zone direkt neben der Polizei, welche sich bereitstellen, den Verkehr und die «Parkordnung» zu regeln. Tamara und ich überlegen uns noch die Polizei zu fragen, ob die schraffierten Felder ok seien zum Parken - aber lieber nicht fragen... Die Polizei kommt an unserem Wagen vorbei, als wir am Frühstücken sind. Sie nicken und grüssen freundlich. 15 Minuten später ist der gesamte Parkplatz, inklusive den Feldern zugeparkt. Tamara und ich sind dankbar, einen Platz gefunden zu haben.
Unser Rundweg führt uns durch den Regenwald mit den hunderten von Lorbeer Bäumen. Der Weg ist am Hang und die Vegetation ist üppig. Tamara kommt voll auf ihre Kosten mit den grossen Farnblättern. Im Internet hat jemand von der schönen Aussicht geschrieben. Das war entweder nach einem Waldbrand oder er hatte eine Machete. Die Aussicht ist sehr gut zugewachsen. Einzelne Sichtfenster finden wir trotzdem.
Wieder auf dem Parkplatz angekommen wollen wir noch eine Wanderung machen. Auch diese führt steil den Hang hinunter bis zu einem schönen Aussichtspunkt.
Auf dem Parkplatz angekommen fragt uns eine Tramperin aus der Tschechoslowakei, ob wir sie mitnehmen können. Sie habe den Bus zum nächsten Schlafplatz verpasst und der nächste komme erst am Abend um19 Uhr. Wir nehmen sie mit und können ihr für den Zwischenstopp in Zürich noch nützliche Tipps für die Stadtbesichtigung geben. Unterwegs halten wir immer wieder an, weil die Aussicht im Anaga Gebirge einfach umwerfend ist.
Die Fahrt geht für uns weiter nach Taganana. Es wären nur wenige Kilometer, aber wir halten immer wieder an, um die zerklüfteten Berge zu geniessen. Am Mirador Bailadero machen wir Mittagspause. Es ist einfach pure Freiheit, wenn du an einem schönen Ort halten kannst und alles dabei hast, was du brauchst. Von dort aus können wir bereits nach Taganana hinuntersehen. Hier treffen wir noch ein nettes Paar, welches schon mehrere Jahre hier in den Ferien ist. So einen wolkenfreien Tag wie heute hatten sie noch selten erlebt.
Die Fahrt ins Tal ist mehr als abenteuerlich. Sehr viele Kurven und extrem steil. Zwischendurch nur einspurig mit Ausweichstellen zum Kreuzen. Es gibt einige Touristen aus Flachlandgebieten, welche sich nicht gewohnt sind, Bergstrassen zu fahren. Erschwerend ist es auch, weil sie die Breite des Mietwagens schlecht abschätzen können. Umso langsamer muss gefahren werden, damit für alle die nötige Sicherheit gewährleistet wird. Die Fahrt zum Strand lohnt sich! Die Küste ist umwerfend.
An der Playa del Roque de las Bodegas fahren wir vorbei. An der Playa de Benijo haben sich schon viele Autos und Camper für das Osterweekend eingerichtet. So fahren wir weiter und parken bei Pepe auf seinem Estacionamento. Er will 3 Euro zum Parken und wir entscheiden uns für 5 Euro dort zu schlafen. Die Aussicht ist ein vielfacher Wert.

Etwas weiter im Nordosten befindet sich der Roque de Benijo und nochmals ein schwarzer Sandstrand der gleich heisst wie der andere «Playa Benijo». Leider ist der Weg zu diesem Strand zerstört. An diesem Strand hat es auch Steinschlag und da liegt es sich nicht so entspannt in der Sonne. Darum fliege ich mit der Drohne, um ihn zu sehen.

Anschliessend laufen wir zum Strand und geniessen einen Sonnentag. Das Sturmtief Therese hat entlang der Bäche viel Schilf ins Meer gespült. Dieses Schilf liegt jetzt am Strand und ich baue für Tamara ein Schilfsonnenbett an einem kissenförmigen Stein. Tamara schläft kurz darauf bereits tief. Ich beginne Steine zu sammeln, welche aussehen, wie Ostereier und denke dabei an unsrer Liebsten zu Hause.
Wir bleiben bis kurz vor Sonnenuntergang. Essen beim Sonnenuntergang vor unserem Camper und sehen direkt in den Sonnenuntergang. Nach lange nachdem die Sonne untergegangen ist, leuchtet der Himmel noch in oranger Farbe.
Wir duschen und gehen zufrieden und dankbar nach dem eindrucksvollen Tag schlafen.
Karfreitag in La Laguna (3.4.2026)
Die Nacht war ruhig und am Morgen wecken uns die Schreie der Turmfalken. Es haben sich 4 hier in den nahegelegenen Felsen eingenistet. Die Morgensonne scheint direkt auf der gegenüber liegende Stadt Almacica.

Was auf allen Kanarischen Inseln zu sehen ist, sind die Terrassen an den Kraterwänden. Auch hier in diesem Tal finden wir eine solche Agrar Anbaufläche.

Tamara und ich wollen nochmals durch das Anaga Gebirge nach Laguna fahren. Der Verkehr kommt nahezu an den Feierabendverkehr im Schöneich Tunnel heran. Wir fahren jedoch antizyklisch und darum recht flüssig. Am Visitor Center erschrecken wir, weil es einen Rückstau, von mehreren 100 Meter gibt. Sozusagen Osterstau vor dem Gotthard. Wir sind froh, in die «richtige» Richtung zu fahren. Der Regenwald sieht in der Mittagssonne noch eindrucksvoller aus als in den Morgenstunden von gestern.
In La Laguna angekommen sind wir froh, einen kleinen Wagen zu haben. In Laguna sind 40'000 Einwohner und zur «Procesion Magna» kommen tausende von Besuchern. Die Hauptprozession beginnt um 17 Uhr. Dort wird die ganze Ostergeschichte vom Palmsonntag bis Karfreitag mit Figuren und Musik vorgetragen.
Besonders sind die 26 Bruderschaften, welche in Kapuzen mitlaufen. Diese Tradition reicht bis ins 17th Jahrhundert zurück und wird von den Familien weitervererbt. Diese 26 Bruderschaften stammen aus einflussreichen Familien oder Handwerkerzünften. Jeder Bruderschaft hat ihre eigenen Wappen auf den Kutten und ist für eine Statue verantwortlich. Es laufen Männer, Frauen und Kinder mit. Die Kapuzen, Capiroten genannt, haben eine tiefe Bedeutung. Einerseits geht es um Anonymität, damit niemand weiss, wer an der Prozession zur Busse mitläuft. Einige laufen den ganzen Weg Barfuss, andere haben Ketten an den Beinen und wieder andere tragen schwere Kreuze. Durch die Kapuzen wird Bewertung und Vergleichen von Zuschauern verhindert. Zudem wird durch die Kapuzen die Gleichheit gewährt, unabhängig des Status oder Reichtums. Die Symbolik der Kapuze zeigt symbolisch in den Himmel, wo die Gebete an Gott gerichtet sind. Zusätzlich soll die Kapuze das christliche Prinzip vom «Geben und Dienen im Verborgenen» unterstützen (Matthäus 6.1-4).
An dieser Stelle ist mir etwas sehr wichtig. Viele Menschen denken, dass sie etwas tun müssen, um Vergebung für unsere Sünden zu erhalten oder «ihr Seelenheil im Himmel zu erwerben». Bilder wie auf den Knien pilgern, Barfuss laufen oder sich auf den Rücken peitschen. Solche Bilder werden mit "Christsein" verbunden. Solche Bilder tun meiner Vorstellungskraft und meinem Herzen weh. Wer kommt auf eine so absurde Idee, selber für sein Heil leiden zu wollen, wenn doch Jesus genug für meine Erlösung gelitten hat?
Epheser 1.7 bringt es auf den Punkt: Durch Christus, der sein Blut am Kreuz vergossen hat, sind wir erlöst, sind unsere Sünden vergeben. Und das verdanken wir allein Gottes unermesslich grosser Gnade.
Entschuldigt meine Ausschweifungen, aber eine Begebenheit an der Prozession möchte ich noch erzählen: Ein Mann hinter mir fragt seine Frau, wer denn die anderen beiden Gekreuzigten seien. Sie erklärt ihm, dass es sich eventuell um Petrus und Paulus handelt. Ich frage den Mann, ob ihn die richtige Antwort auf seine Frage interessiere. Daraufhin darf ich ihm eine meiner Lieblingsgeschichten erklären. Der eine Schwerverbrecher sieht seine Verbrechen ein und setzt seine Hoffnung im Angesicht des Todes auf Jesus und der andere spottet über Jesus, wenn er Gottes Sohn sei, soll er sich selber und ihm helfen. Zu demjenigen der seine Schuld einsah und die Hoffnung auf Jesus setzte sagte Jesus: Du wirst noch heute bei mit im Paradies sein.
Am Abend fahren wir nach Playa Teresitas in der Nähe von San Andrés. Wir suchen die Ruhe nach den Ostereindrücken. Scheinbar suchen dort alle ihre Ruhe, denn als wir ankommen, sind viele Parkplätze besetzt und der Strand noch sehr voll. Es wird gegrillt, gelacht, gespielt und gejohlt und das bis spät in die Nacht. Tamara und ich gehen heute erst sehr spät ins Bett.
Heute ist ein Erholungstag angesagt. Die Eindrücke der letzten Tage waren intensiv. Darum geniessen wir den Strand in der Nähe von Santa Cruz.
Überfahrt nach Gran Canaria (5.5.2026)
Tamara und ich sind mit unserem Morgenprogramm durch und plötzlich klopft es an unserer Türe. Ein Mann mit Zürcher Dialekt stellt sich vor und freut sich Schweizer zu treffen. Aus einem freundlichen «Hallo» werden 3 Stunden intensiver Austausch. Dieser Mann mit seinen 90 Jahren ist mir sofort sympathisch. Er ist ein kritischer Denker und Philosoph und gleichzeitig ein Schaffer von Kreativität. Er erzählt uns wie er aufgewachsen ist, was er studieren wollte und welche Studien er absolviert hat. Dass er während des Kommunismus 15 Jahre in Prag komponierte. Seine überlebte Blutvergiftung und seine Träume vom selber ausgebauten Elektro California. Sehr beeindruckende und bewegende Momente. Tamara fragt ihn, was ihn so fit hält? Jeder Tag schwimmen (auch Butterfly!). Wir müssen leider auf die Fähre, sonst hätten wir noch länger diskutiert. Darum tauschen wir die E-Mail aus und freuen uns in Kontakt zu bleiben.

Teneriffa war sehr abwechslungsreich. Jedoch hat es viel mehr Leute als in La Gomera und La Palma. Schliesslich leben auf Teneriffa knapp 1 Mio Menschen von den insgesamt 2.23 Mio (2024) Einwohner der Kanarischen Inseln. Zudem kommen die 6.5 Mio (2023) Touristen auf Teneriffa pro Jahr. Darum fühlt sich die Insel gut bevölkert an.
Erwischen wir die Fähre noch und wie wird uns die letzte Insel von den Kanarischen Inseln gefallen? Tamara und ich sind gespannt und freuen uns auf Gran Canaria vor der Rückreise auf das Festland. Gran Canaria hat nur 850'000 Einwohner. Dafür 7.4 Mio (2024) Touristen pro Jahr. Wobei Gran Canaria eine Fläche von 1560 m2 hat und somit 20-25% kleiner ist als Teneriffa. Wie sich das wohl anfühlt? Kleinere Insel und mehr Leute.
Es freut uns, dass so viele von euch regelmässig unseren Blog verfolgen und so an unserer Reise "teilnehmen". Danke, dass du mit uns reist!








































































































































































































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