Österreich - Vom Dachsteingletscher in die Schweiz
- Walter Blattmann
- vor 1 Tag
- 9 Min. Lesezeit
Seit über einem Jahr reisen wir durch Europa. Unsere Balkanrunde neigt sich dem Ende zu. Über Italien nach Kroatien gereist. Bosnien Herzegowina und Serbien durchquert. Dann Burgarien und Rumänien bereist und über Ungarn in Österreich angekommen.

Nächste Woche sind wir für ein paar Monate zu Hause, weil wir uns sehr freuen, dass wir Grosseltern werden dürfen. Darum wird der nächste Newsletter erst im Januar 2026 wieder eintrudeln. Wo die Reise dann hingeht ist uns auch noch nicht ganz klar.
Grossglockner Hochalpinstrasse (10.8.25)
Die Anfahrt ist kurzweilig und die Zahlstation am Nationalpark zeigt, dass es hier doch den einen oder anderen Touristen geben muss... Wir wundern uns darüber, dass eine Passstrasse 45 Euro kostet und lassen uns überraschen. Bereits nach wenigen Höhenmetern merke ich, dass sich der Treibstoffverbrauch verfünffacht und die verbleibenden Kilometer auf dem Display dahinschmelzen. Im Hochmais, auf 1850 Meter ü.M. brauche ich eine kurze Überlegpause. Tamara braucht gleichzeitig viel, sehr viel Geduld ;-). Ich versuche hochzurechnen, wieviel mich die nächsten 1000 Höhenmeter auf den Gipfel an Treibstoffverbrauch kosten. Zusätzlich prüfe ich, wie weit die nächste Tankstelle vor und nach dem Pass entfernt ist. Ich rechne aus, dass wir bei einer verbleibenden Kilometerleistung von 100 km umdrehen müssen, falls wir die Spitze noch nicht erreicht haben. So fahre ich einigermassen entspannt weiter. Bei den ersten Panorama Ausblicken vergesse ich beinahe auf die Anzeige zu schauen. Von diesem Aussichtspunkt können wir mindestens sechs verschiedene Gletscher erkennen.

Die Strasse führt schlangenförmig nach oben und meine Stimmung geht geradewegs nach oben. Der Treibstoff hat gereicht! Nun geht es nur noch einige 100 Meter nach oben und dann nur noch nach unten.

Die Aussicht auf die 3000er ist umwerfend. Die Weite der Berge in Österreich ist wunderschön. In den Schweizer Alpen haben sich die Kontinentalplatten auf engerem Raum und viel höher gefaltet als hier in Österreich. Darum zeigt die Sicht teilweise auch aus den tiefen Tälern auf hoch gelegene Gletscher.

Der Grossglockner mit 3798 Meter Höhe ist immer wieder mit Wolken verhangen. Auch der Grossvenediger mit 3674 Meter ist nur in der Ferne erkennbar.
Tamara und ich werden vom "Begrüssungskomitee" auf der Franz Josefs Höhe willkommen geheissen. Natürlich sind wir mit frischen Rüebli bewaffnet und das wissen die Murmeltiere oder auf gut schweizerdeutsch "Murmeli". Die einen kommen aus den Höhlen, wenn sie den Reissverschluss an deinem Rucksack hören und andere erst, wenn die Plastiktüte knistert. Hier auf der Franz Josefs Höhe herrscht 100%ige Murmeli-Sicht- Chance. Ich nenne das vorwitzige Murmeli "Franzl". Kaiser Franz Josef besuchte diesen Gletscher im Jahre 1856 mit seiner Frau Elisabeth (Sissi). Elisabeth schaffte auf dem Pferd 800 der 1100 Höhenmeter von Heiligenblut aus. Darum wurde ihr Rastplatz Elisabethruhe genannt.

Das Panorama auf die Gletscher ist hier auf 2369 Meter über Meer fantastisch. Tamara und ich entschliessen uns etwas nach hinten ins Tal zu den Gletschern zu "spazieren".

Der Weg führt durch mehrere Tunnels auf den Gamsgrubenweg. Wir laufen bis zum Ende und es wimmelt von Murmeli. Die Möhren werden jedoch für uns als Proviant zurückbehalten, weil wie noch mehrere Stunden hier in dieser wundervollen Gegend unterwegs sein könnten.
Am Wasserfallwinkel sind wir bereits 2548 Meter über Meer. Hier ein paar Eindrücke unserer Abend Tour.
Es fällt uns auf, dass immer weniger Leute auf dem Weg sind und die Sonne schon tief am Himmel steht. Eine etwas runtergekämpfte Wandergruppe frage ich, wie lange es noch geht, bis nach "oben". Sie meinen 1-2 Stunden und Tamara und ich schauen uns mit grossen Augen an. Dann wäre es bereits dunkel und um 21 Uhr müssen wir den Nationalpark verlassen. Darum müssen wir leider umdrehen. Diese Tour machen wir beim nächsten Besuch in Österreich.
Als wir zurück kommen ist der Aussichtspunkt leer und der Parkplatz auch. Blattmanns sind wieder einmal antizyklisch unterwegs...

Es ist schon 20.30 Uhr und nun müssen wir dringend den Park verlassen und eine Tankstelle finden. Um 20.53 verlassen wir das Gate zum Nationalpark. Frisch getankt kommen wir spät am Abend am Schlafplatz an. Am Fusse des Grossglockners in Kärnten schlafen wir und erholen uns von der Wanderung an diesem Tag. Eigentlich wollen am nächsten Tag nach Salzburg fahren und überlegen uns, ob wir über den Pass zurück in den Norden fahren und dafür 17 Euro bezahlen. Tamara und ich fahren nicht gerne zweimal die gleiche Strecke und versuchen mautfrei zu fahren. Was sich im Nationalpark Hohe Tauern als schwierig entpuppen wird.
Fahrt von Kärnten nach Salzburg (11.8.25)
Im Süden des Nationalparks Hohe Tauern gibt es keinen günstigen Weg mehr in den Norden. Pässe, Pärke und Autoverladestationen bringen dich für einen Unkostenbeitrag wieder in den Norden. So führt uns das Navigationssystem zuerst ostwärts. Erst spät merken wir, dass es eine Autoverladestation ist. Die Gegend ist es aber wert auch wieder den ganzen Weg zurück zu fahren. Weil wir alle schönen Orte bei der Hinfahrt gesehen haben, halten wir am See an, um uns zu erfrischen und eine Pause zu machen.

Tamara hat auch das Wander app "Komoot". So finden wir am Abend auch unter erschwerten Bedingungen einen Schlafplatz auf einem Wanderparkplatz. Da müssen wir natürlich am Morgen früher aufstehen, damit die frühen Wandervögel Platz haben.
Wir entschliessen uns auf dem Weg nach Salzburg noch im Salzburgerland die Krimmler Wasserfälle zu besuchen. Mit 380 Meter Höhe ist es der grösste Wasserfall in Österreich. Ganz in der Nähe schlafen wir auf einem Wanderparkplatz.
Krimmler Wasserfälle (12.8.25)
Am Fuss der Wasserfälle parken wir bei den Camper, welche bereits die Nacht dort verbracht haben. Nach einem kurzen Spaziergang finden wir uns wieder vor dem Check-In zur Wasserfall Wanderung. Für uns ist es ungewohnt, dass wir für einen Wanderweg Eintritt zahlen. Jeder Euro lohnt sich jedoch für die Krimmler Wasserfälle. Der Wasserfall tost über mehrere Stufen in die Tiefe.

Oben angekommen eröffnet sich uns der Blick auf die Alm, auf der wir weiter ins Tal wandern. Mittlerweile ist es Mittagszeit und die Sonne macht den Aufstieg nicht einfacher. Die Restaurants auf der Alm sind einladend und so essen wir dort unser Mittagessen und zum Dessert einen Kaiserschmarrn.

Die Wälder sind voller Moos, weil der Wasserdampf das Gebiet berieselt. Entsprechend besonders ist die Natur anzuschauen.
Auf dem Rückweg scheint die Abendsonne und die Regenbogenfarben schillern im Wasser.
Am Abend kehren wir an unseren Wanderparkplatz zurück. Der Platz liegt direkt neben der Salzach mit Sicht auf den Grossvenediger. Der gleiche Camper, wie am Vorabend, steht immer noch dort. Scheinbar hat das sportliche Paar, welches am Morgen angekommen ist und gleich losmarschierte eine zweitägige Tour auf den viertgrössten Berg in Österreich gestartet. Die 3666 Meter und die zu überquerenden Gletscher sind mit einem Führer empfohlen. Weit hinten im Tal sieht man noch die verschneiten Bergspitzen des Grossvenedigers.

Der Parkplatz ist perfekt. Die Salzach bringt am Abend einen kühlen Wind, der die Temperaturen im Camper auf angenehme 23 Grad runterkühlen. Tagsüber sind es draussen am Schatten zwischen 30-36 Grad.
Fahrt nach Salzburg (13.8.25)
Am nächsten Morgen fahren wir eine Passstrasse hoch und geniessen nochmals einen letzten Blick auf die Wasserfälle. Von oben sehen sie nicht so hoch und steil aus, wie sie zum Laufen sind.

Tamara und ich sind überrascht, dass diese Strasse nichts kostet und prompt kommt nach der nächsten Kurve eine Zahlstation. Ich sage selbstsicher PKW unter 3.5 Tonnen. Sie schmunzelt und mein "naja...3.5 Tonnen". Erst jetzt sehe ich, dass sie auf eine Anzeige schaut und wir stellen entsetzt fest, dass wir auf einer Waage stehen. Wir wissen ja, dass die Österreicher mit den Campern etwas streng sind und vor allem im Tirol auch einige selbsternannte Polizisten für Recht und Ordnung sorgen. Dass bei den Passtrassen an den Mautstationen eine Waage installiert ist, das ist für uns eine neue Erfahrung. "3520 Kilogramm" meint die Frau, sind in der Toleranz. Bis 3700 sei es ohne Busse erlaubt. Wir schnaufen auf und die Fahrt geht weiter.
Die Strasse führt uns durch das Lechtal über Alpenstrassen. Die Kühe spazieren frei herum und die Aussicht auf die Gletscherwelt nimmt hier auf dem Weg nach Salzburg ihr Ende. Lech ist ein schönes Feriendorf mit vielen Freizeitaktivitäten. Auch die verzierten Gebäude der Tiroler Häuser sind wunderbar anzuschauen.
Nachdem wir der Lech stundenlang nachgefahren sind kommen wir nun zum Inn ins Inntal. Eine malerische Strecke in diesem Tal ist das Zillertal. Links und rechts erheben sich die malerischen Berge und wir durchqueren die typischen Tirolerhäuser. In Gerlos machen wir einen Zwischenstopp. Es ist wieder einmal Zeit für eine bewusste Pause, in der wir dankbar über all die Geschenke in unserem Leben nachdenken.

Hier im Zillertal ist die Holzwirtschaft überall präsent. Hausbauer mit Holz und Holzkünstler bieten ihre Produkte und Angebote überall an. Darum erstaunen auch die Baumstammberge, welche sich vor den Schreinereien und Holzhändlern türmen nicht.

In Salzburg angekommen spazieren wir an der Inn entlang und entdecken ein spannendes Mahnmal. Mit einer Gedenktafel unter dem Titel: Mahnmal gegen den industriellen Umgang mit Minderheiten. Vom 25. auf den 26. Februar 1994 verprügelten zwei Jugendliche den wohnungslosen Wolfgang Tschernutter beim Hallenbad Höttinger Au mit einem Vierkantholz. Kurze Zeit später starb der Obdachlose an den Folgen. Das Mahnmal soll an die schreckliche Tat erinnern. Scheinbar haben Politiker "Sozialschmarotzer" thematisiert und ein Politiker wollte die Strassen von gesellschaftlichen Aussenseitern gesäubert wissen. Am 7. Juli 1994 wurde das Mahnmal mitten im Herzen von Salzburg aufgestellt. Die Stadt entsorgte es daraufhin bei Nacht und Nebel. Aus der Abfallentsorgung haben die Initianten das Mahnmal wieder geholt und hier an der Inn aufgestellt, wo es offiziell stehen darf.. Seit Beginn unserer Reise begleitet uns das Thema "Ausgrenzung von Minderheiten" und welche gesellschaftlichen Folgen das hat. Mich bewegt das Thema sehr.

Was uns auffällt sind die Infotafeln zu vielen Strassennamen. Auch die Gebäude sind beschriftet mit Erklärungen zu Besitzer und Geschichte. Die Dynastie der Familie Habsburg prägte die Geschichte in Europa über Jahrhunderte. Die 1000 km lange Via Habsburg ist seit 2014 eine zertifizierte Kulturroute des Europarates. Die Habsburger haben in verschiedenen Ländern wie Frankreich, Deutschland, Schweiz und Österreich gekämpft. Immer wieder ist uns Maximilian oder Friedrich der Schöne auf unseren Reisen begegnet. Nachdem ich meine verschlafene Geschichtsstunde in der Schule nachgeholt habe https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Habsburgerkriege, bin ich sehr stolz darauf, was die Eidgenossen 1291-1474 und 1511 geleistet haben. Dank dem Mut unserer Vorfahren wurde unsere Demokratie erkämpft.
Diverse Rooftop Bars laden ein, den Sonnenuntergang zu bestaunen. Wir entscheiden uns für die 360° Bar, weil ich mich zu diesem Logo besonders verbunden fühle:-)

Tamara und ich geniessen diese tolle Stadt und bleiben bis spät in die Nacht. Wir sind langsam müde und habe heute wieder über 20'000 Schritte unter den Sohlen.
Auch der "Sissipalast" ist in der Nacht wunderbar beleuchtet. Auf dem Kircheneingang (Bild unten in der Mitte) steht ganz klein "= wird". Auch wieder etwas zum darüber nachdenken. Warum steht auf dem Kircheneingang "= wird"? Meine Theorie dazu:
Am Anfang der Bibel steht, dass Gott nur durch ein Wort "es werde" erschaffen hat. Im zweiten Teil der Bibel, dem neuen Testament finden wir in der Biografie von Jesus, welche von Johannes geschrieben wurde, dass dieses Wort lebendig geworden ist in Jesus, um uns seine Liebe und Vergebung zu zeigen. (Johannes 1.1-14)
Habt ihr gewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt durch Zufall entstanden ist eine Zahl mit über 40 Nullen nach dem Komma ist? (0.00000000000000000000000000000000000000000009) Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass auf einem Schrottplatz eine Bombe explodiert und ein Fernseher dort steht. Darum sind auch Evolutionsanhänger gläubige Menschen, so wie ich als Christ mit dem Glauben an einen gerechten Gott. ;-). Es ist immer wieder spannend über dieses Thema nachzudenken.
Es freut mich, dass hier eine Ausstellung dieses Thema "Geschichten über soziale Ungleichheiten" thematisiert.
Baden im Plansee (14.8.25)
Heute ist es heiss und wir gehen baden im Plansee. Wir haben uns das etwas anders vorgestellt. Es ist eine lange Strasse dem See entlang und am Rand parken alle Badegäste. Auf Instagram sieht es dann aus wie auf dem linken Bild und in Wirklichkeit ist es wie auf dem rechten Bild
Genüsslich ist es auf jeden Fall und das Wasser sehr erfrischend.

Am Abend schlafen wir in einer Kiesgrube. Dort treffen wir einen angehenden Lehrer. Es macht Freude, mit welchen Motiven dieser junge Mann sein Leben in junge Menschen investieren will. Früh gehen wir schlafen und staunen über den fantastischen Sternenhimmel.
Nationalfeiertag in Vaduz (15.8.25)
Ungeplant sind wir auf dem Weg nach Vaduz, wo heute der Nationalfeiertag ist. Dieses Fest wollen wir natürlich einmal miterleben. Bei diesen heissen Temperaturen gehen wir zuerst in die Freizeitanlage zum Schwimmen. Die Sicht auf die Schweizer Berge bringt uns entsprechende Vorfreude auf zu Hause.
In Vaduz stehen Stände mit Verpflegung und Getränken bereit und die rund 10 Live Bands mit DJ's machen sich bereit. Auch wir mischen uns unter die Einheimischen:-)
Um 22 Uhr startet das Feuerwerk über dem Schlossberg. Es dauert rund 30 Minuten. Wir sitzen etwas ausserhalb der Stadt und haben eine tolle Sicht auf das Feuerwerksspektakel.
Mit dem projizierten Spruch "Für Gott, Fürst und Vaterland" endet der offizielle Teil des Festes und nun legen die Live Bands richtig zum Tanz auf.
Auf dem nahegelegenen Sportplatz parken die vielen Gäste aus den umliegenden Ländern. Der Parkplatz ist übervoll mit Autos und Campern. Am Morgen wachen wir um 10 Uhr auf und sind beinahe die Letzten die sich auf den Heimweg machen.
Ankunft zu Hause (16.8.25)
Wir überqueren nach fast 4 Monaten wieder die Grenze in die Schweiz. Auf das Wiedersehen mit unserer Familie und Freunden freuen wir uns riesig. Es geht nicht mehr lange und Tamara und ich werden Grosseltern. Das ist ein besonderes Willkommensgeschenk.

Bis Weihnachten bleiben wir hier in der Schweiz und sind gespannt wo die Reise im 2026 hinführt.
Fazit:
Es ist ein Geschenk Tamara an meiner Seite zu haben, die mich bedingungslos liebt
Zeit zu haben, um das Leben dankbar zu ((er-)leben ist etwas Besonderes
Menschen sind auch auf Reisen in der Gefahr den Tag zu füllen, um sich weniger Gedanken über Sinn und Unsinn des Lebens zu machen
Ausgrenzung von Minderheiten ist etwas Schreckliches und führt zu grossem Leid.
Nette und hilfsbereite Menschen gibt es überall
Es macht frei, sich keine Gedanken zu machen was Menschen über mich denken, sondern sich Gedanken zu machen was Gott über mich denkt
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